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Von schlechter Laune, ‚Wintersommer’ und Quälgeistern

Das Wetter ist eklig winternass und Anna hat schlechte Laune. Dauernd mault Mama und verlangt Dinge, zu denen Anna keine Lust hat: Zimmer aufräumen zum Beispiel oder Flöte üben.
„Immer meckerst du“, schimpft Anna.
„Und du tust immer das Gegenteil von dem, was ich dir sage“, schimpft Mama zurück. „Ein übellauniger Quälgeist bist du.“
„Pah!“ Anna stampft mit dem Fuß auf. „Dann mache ich jetzt alles umgekehrt und du musst nicht mehr schimpfen.“
Mama stutzt. Dann nickt sie. „Gut.“ Sie reicht Anna ein Glas Milch. „Magst du Kuchen essen?“
„Nein.“ Anna trinkt das Glas aus. „Jetzt gehe ich in mein Zimmer und übe Flöte.”
Sie nimmt den Ball und geht zur Gartentür. Draußen ist es kalt und neblig und ein bisschen unheimlich.
„Die Sommersonne scheint toll“, sagt Mama. „Den Pullover wirst du nicht brauchen.“
Anna nickt und zieht sich ihre warme Jacke über den Pullover.
„Du musst dich vor den Sonnenstrahlen schützen!“ Mama reicht Anna den Sonnenhut.
„Okay.“ Anna stülpt sich ihre Wollmütze über den Kopf.
„Die Schuhe lass da!“, meint Mama. „Barfuß laufen ist gesund.“
„Und wie!“, sagt Anna und zieht sich Stiefel an.
Da fällt Mama noch etwas ein: „Pflückst du mir bitte im Vorgarten einen Sommerblumenstrauß für die Vase auf dem Küchentisch?“
Anna geht in den Gemüsegarten und stapft dort heftig durch Matsch und Pfützen. Das macht Spaß. Sie überlegt, ob sie ein paar Zweige mit Hagebutten und Haselblüten für Mamas Blumenvase pflücken soll. Lust dazu hätte sie. Die frische Winterluft hat ihre schlechte Laune – pffft – fort in die Nebelwelt geblasen. Aber sie kann jetzt keinen Strauß pflücken. Schließlich muss sie das Gegenteil von dem zu tun, was Mama sagt. Also beschließt sie, ein paar flache Kieselsteine, die den Wegrand umsäumen, mitzunehmen. Bemalen würde sie sie. Mit kunterbunten, gut gelaunten Lachgesichtern.
Da hört sie Mama rufen: „Pass auf, Anna! Da kommt ein Geist. Ein Sommersonnengeist!“
Mit klopfendem Herzen späht Anna um die Ecke. Es ist Papa.
Oh, ein Winternebelmonster! Hilfe!“, schreit Anna und stürmt in Papas ausgebreitete Arme.
„Hallo Papa“, flüstert sie dann. „Mama spinnt heute. Sie sieht Geister.“ Sie grinst. „Quälgeister! Psst!“.

© Elke Bräunling