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„Bärige“ Weihnacht

Einmal wimmelte es im Land nur so von Bären. In Häusern, Läden und Kiosken hockten sie herum; manche trugen Hüte, Röcke oder Lederhosen. Von Pullis, Krawatten und Hosen grinsten sie ebenso breitbackig wie von Postkarten, Tassen, Tüten, Bildern, Büchern, Haarspangen und Broschen. Es gab Bärendosen, -kekse, -uhren, -kalender, -kettchen, -seifen, sogar Bärenhampelmänner, Bärenschneekugeln, Bärenschränke, Bärenundsoweiter…!
Die Leute liebten all die Bären über alles und sagten ´Wie niedlich!´, Goldige Kerlchen!´, ´Herzige Zottelbärchen!´, ´Schmuseliebchen´ und andere unbärige Dinge zu ihnen.
Den Bären blieb nichts übrig als immer lieb und herzig zu grinsen. Steife Grimassengesichter hatten sie schon von diesem ewigen Gegrinse bekommen. Das aber war nicht schlimm, denn sie fühlten sich geschmeichelt und nahmen dafür all diesen Krimskrams in Kauf.
„Von nichts kommt nichts“, sagten sie und belächelten die vergeblichen Versuche der Mäuse, Vögel, Katzen, Hunde, Kühe, Rehe, Tiger, Elefanten und Dinosaurier, es ihnen gleich zu tun.
Zuerst waren die anderen Tiere beleidigt, dann fingen sie an zu lästern.
„Wie kann man nur so doof sein und auf Klamotten, Geschirr und anderem Kram dämlich herumgrinsen?”, sagten sie. „Das ist doch nicht bärig!“
Dieser Meinung war auch der Oberbär, der sich sein Leben noch bärenredlich als Lachsfänger und Eierdieb verdiente. Er war sehr verärgert über das Verhalten seiner Gefährten.
„Haben die denn den Kopf verloren?”, polterte er, und sein Schimpfen hallte weit über Länder und Meere. „Wir Bären lassen doch keinen Affen aus uns machen!“
„Entschuldige mal!”, schrie der Oberaffe aus dem Dschungel zurück, und sein Protest hallte ebenfalls weit um die Welt. „Das mit dem Affen nimmst du zurück! Wir Affen grinsen nicht so bärendämlich vor uns hin wie deine Leute es tun. Merk dir das, du Oberbär, du!“
„Schon gut, schon gut“, grummelte der Oberbär. „So habe ich das nicht gemeint. Aber sauer bin ich schon.“
Auf der Welt aber ´bärte´ es immer mehr, und weil dies noch nicht genügte, hatten einige findige Geschäftsleute eine neue Idee.
„Wir feiern ´Bärenweihnacht´“, sagten sie. „Eine bärenmäßig gute Sache.“
Und während der Oberbär im fernen Alaska vor Entsetzen aufheulte, malten die Menschen Bären auf Geschenkpapier und Weihnachtskarten, behängten Christbäume mit Weihnachtsmannbären und Teddybärkugeln und sangen:
„Bärige Weihnacht überall, bärige Weihnacht überall. Weihnachtszeit. Bärenzeit. Bären bringen allen Freud´. Bärige Weihnacht überall…“
Die war den Bären nun aber doch zu viel. Der Gesang und das verzweifelte Geheule des Oberbären dröhnte in ihren Ohren. Schließlich hielten sie es nicht mehr aus, und so kam es, dass in der Weihnachtsnacht überall Bären mit zugehaltenen Ohren durch die Straßen rannten und auf Nimmerwiedersehen verschwanden.
Das ‚Gebäre’ hatte so ein Ende gefunden. Nur die Teddys in den Kinderzimmern waren geblieben. Sie hatten sich in jener Nacht wie immer in die warmen Kinderarme gekuschelt und tief geschlafen. Das war auch gut so. Die Erwachsenen aber wunderten sich, als sie ihre Bären auf Christbaumkugeln, Tassen, Pullis, Hosen, Dosen und so weiter vermissten, doch sie gewöhnten sich an ein Leben ohne Bärengesichter. Allerdings sollen, so sagt man, erste Grinsbären wieder aufgetaucht sein. Aufgepasst!!!

© Elke Bräunling