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Der Winter der Bärengeisterdrachenfeenschneemänner

Eines Winters hatte ein kleines Mädchen keine Lust, immer nur Schneemänner zu bauen.
„Ist doch langweilig“, sagte es, und weil es gerade ein Buch über Bären gelesen hatte, formte es einen Schneebären mit weit aufgerissenem Maul und riesigen Pfoten. Das Mädchen strengte sich mächtig an, und am Abend stand inmitten der vielen breit grinsenden Schneemänner ein wild aussehender Bär.
„Huch“, riefen die Leute, als sie im Dunkeln einen Bären vor sich sahen. Als sie aber erkannten, dass dieses Monster ein Schneebär war, riefen sie voller Bewunderung:
„Toll!“
„Wie prächtig er aussieht!“
„Endlich mal etwas anderes als die ewig dicken, breit grinsenden Schneemänner!“
Und alle freuten sich.
Die dicken, breit grinsenden Schneemänner aber ärgerten sich mächtig über diesen Bärenkerl, den die Leute viel besser leiden mochten als sie. Eine Weile beobachteten sie voller Grimm das Treiben um den Schneebären, dann hatten sie die Nase voll. In ihrer Not riefen sie den Wintergeist Willi Schnifix zu Hilfe.
„Hilf uns!“, bettelten sie. „Verwandle uns in Schneebären!“
„Nix Problemix für Willi Schnifix“, grinste Wintergeist Willi, der jeden Quatsch mitmachte, und – hopplahopp – verwandelte er alle Schneemänner in Schneebärenmonster.
Die Schneemannmöhrennasen aber nahm er mit für die Hasen, die im Winter sehr hungrig waren.
Die Hasen freuten sich, die verwandelten Schneemannbären freuten sich auch. Und die Menschen? Na, die staunten nicht schlecht, als ihnen am nächsten Tag an jeder Ecke ein Bär begegnete, und irgendwie war ihnen das bald langweilig.
„Schon wieder so ein doofer Bär“, motzten die Kinder und die Erwachsenen schüttelten die Köpfe. Nur die Hasen waren zufrieden, denn sie fühlten sich endlich mal wieder so richtig satt.
Das Mädchen aber hatte inzwischen ein Geisterbuch gelesen und verwandelte seinen Schneebären nun in einen schaurigen Geist. Der sah so grausig aus, dass alle, die den Schneegeist sahen, erst einmal eine Gänsehaut bekamen.
Die Schneemannbären aber waren stinksauer. Das ließen sie sich doch nicht gefallen!? Erbost riefen sie wieder nach Willi Schnifix, und so kam es, dass am nächsten Tag überall nur noch grausige Schneegeister herumstanden.
Mit Schneegeistern hatte das Mädchen jedoch längst nichts mehr am Hut. Es musste immer an die Rittergeschichte mit dem dusseligen Drachen denken, und so formte es einen dämlich dreinblickenden Drachen mit einem Drachenzickzackschwanz.
Klar, am nächsten Tag standen überall dusselige Drachen mit Zickzackschwänzen herum, und die glotzen so blöde vor sich hin, dass das Mädchen überhaupt nicht kapierte, wie es auf die Idee mit dem Schneedrachen gekommen war. Außerdem hatte es sich gerade ein Buch über eine Zauberfee, die alle Welt mit ihrem Lächeln zu verzaubern vermochte, ausgeliehen. Und weil es sich immer wieder das liebe Lächeln der Fee vorstellte, zauberte es aus dem Dusseldrachen eine bezaubernd lächelnde Zauberfee. Die lächelte nun und lächelte und lächelte liebreizend in die Winterwelt hinein, und das sah ganz schön langweilig aus.
Die Schneemannbärengeisterdrachen heulten vor Wut. Überall hallte ihr Jammern und Klagen durch die Nacht. Sie hatten keine Lust, als lächelnde Zauberfeen im Schnee zu stehen. Sie mochten auch keine Drachen mehr sein, keine Gruselgeister oder Schneebären. Von all dem hatten sie die Nasen gestrichen voll. Nein, sie wollten wieder dicke, breit grinsende Schneemänner sein.
„Tja“, meinte Willi Schnifix etwas müde und unlustig, „da gibt es ein Problem.“
„Wieso? Warum? Was für ein Problem?“, riefen die Schneemannbärengeisterdrachenkerle erschreckt.
„Eure Nasen“, meinte Willi Schnifix. „Sie sind bei den Hasen.“
„Unsere Nasen? Bei den Hasen? O jemine!“ Die Schneemannbärengeisterdrachen erschraken.
„Das macht nichts“, rief einer. „Die Sache mit den Nasen ist ein Glück für die Hasen. Mein größtes Glück aber wäre, den Winter als Schneemann zu beenden.“
Seine Kollegen nickten. „Jawohl. Wir wollen wieder echte Schneemänner sein.“
Willi Schnifix seufzte. Dann machte er sich ans Werk, und am nächsten Tag standen wieder überall dicke, breit grinsende Schneemänner herum.
Da freuten sich die Leute und sie riefen: „Schneemänner sind doch am allerschönsten.“
Und weil sie sich so sehr freuten, schenkten sie den Schneemännern frische Möhrennasen. Da waren die Schneemänner überglücklich, und sie mochten nie mehr etwas anderes sein als dicke, breit grinsende Schneemänner.
Das kleine Mädchen aber las in diesem Winter noch viele Bücher, doch wen interessierte das schon?

© Elke Bräunling

Hier im neuen Blog „Fantasiereisen“ findest du diese Geschichte in ähnlicher Form, nur ist’s ein kleiner Junge, der sich immer neue Schneemannfiguren ausdenkt und es ist der Wintergeist „Waldemar Schnebulus“, der mit den Schneemännern und den Hasen schwer zu tun hat: Der Winter der Schneemannsaurierhexenprinzessinnen