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Ein Hund zu Weihnachten?

Elsa wünscht sich zu Weihnachten einen Hund. Mama und Papa wünschen sich zu Weihnachten keinen Hund. Sie wünschen sich auch keinen Hund zu Ostern, zu Pfingsten oder zum Geburtstag.
„Ein Hund macht Stress“, sagt Mama und erzählt Elsa etwas von x-Mal Gassi gehen am Tag, von Bewegung, von Schmutzpfoten auf dem Fußboden und Hundehaaren überall im Haus.
„Ein Hund erfordert Verantwortung“, sagt Papa und erzählt Elsa etwas von Aufpassen müssen, von ‚Nicht-überall-hin-verreisen’ können, von Regeln, die man mit einem Hund einhalten müsse und vom Ärger, wenn man den Hund zu einem Ausflug in die Stadt oder in ein Lokal mitnimmt. Oder wenn man ihn alleine Zuhause lässt. Dann nämlich hat man Ärger mit seinem eigenen schlechten Gewissen. Weil nämlich kein Hund gerne alleine zu Hause sitzt und wartet.
Ein Hund macht Freude!“, sagt Elsa und erzählt Mama und Papa etwas von einem besten Freund, der zuhört und immer Zeit hat. Ein Freund, mit dem man kuscheln und toben, lachen, weinen, reden und schweigen kann. Ein Freund, der da ist, wenn die Eltern nicht da sind – und weil beide anstrengende Jobs haben, ist Elsa oft alleine in dem großen Haus mit dem großen Garten.
„Ein Hund ist kein Weihnachtsgeschenk“, sagt Mama.
„Willst du nicht doch lieber den Computer haben?“, säuselt Papa mit zuckersüßer Stimme.
„Nein“, sagt Elsa und schweigt.
Mama und Papa schweigen auch, und Elsa denkt an Nachbar Sebastian Bauer, der seit einem Unfall nicht mehr arbeiten kann und fast immer zu Hause am Computer sitzt und sich oft langweilt. Sein Hund Flocki ist vor einigen Wochen gestorben, und seither ist Sebastian nur noch traurig.
„Weil er niemanden mehr hat, der ihm Stress und Ärger macht und der Verantwortung kostet“, zitiert Elsa Sebastian. „Mit Hund war er viel fröhlicher und auch viel netter zu uns Kindern.“
Mama und Papa sehen sich betreten an und schweigen noch immer.
„Wie wäre es mit einem Goldhamster?“, fragt Mama schließlich vorsichtig.
„Oder einer Maus?“, schließt sich Papa an. „Das wäre auch ein nettes Weihnachtsgeschenk zum Liebhaben.“
Elsa schüttelt den Kopf. „Ich will nicht mehr traurig und so oft alleine sein“, sagt sie. „Ich will einen Hund.“ Sie überlegt kurz. „Oder besser zwei Hunde – einen Hund für mich und einen für Sebastian. Dann ist keiner mehr allein und wir können uns den Ärger, den Stress und die Verantwortung miteinander teilen. Und genau das schreibe ich jetzt dem Christkind. Es wird mich bestimmt verstehen. Basta.“
Ohne auf die weiteren Worte ihrer Eltern zu achten, stolziert sie aus dem Zimmer. Draußen auf dem Flur aber hat sie noch eine Idee. „Ach ja“, ruft sie laut, „einen Hund würden wir auch vor Weihnachten oder nach Weihnachten nehmen, Sebastian und ich. Denn ihr habt Recht. Tiere verschenkt man nicht an Weihnachten. Schließlich sind sie ja keine Computer und man kann sie schlecht als Geschenk unter den Christbaum legen. Stimmt’s?“

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest Du in dem Erzählband „Oma und ich und die Weihnachtszeit“ von Regina Meier zu Verl und Elke Bräunling


Taschenbuch: Oma und ich und die Weihnachtszeit: Advents- und Weihnachtsgeschichten
Ebook: Oma und ich und die Weihnachtszeit


Information

Senta und Lukas, ein Herz und eine Seele Foto © Regina Meier zu Verl