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Zu Besuch im Weihnachtsland

Heute ist Mia mit ihren Eltern beim Weihnachtseinkauf. Trubelig ist es im Kaufhaus, aber Mia mag Trubel. Am liebsten würde sie die ganze Zeit in der Spielzeug-Abteilung verbringen. Dort steht nämlich ‚WEIHNACHTSLAND’ am Eingang, und Mia mag dieses Weihnachtsland. Hier glitzert und flimmert es überall so schön, Musik erklingt und es duftet süß nach Lebkuchen.
Papa aber meckert: “Das echte Weihnachtsland ist ganz woanders!”
“Wo denn?”, fragt Mia.
“Das muss jeder für sich selbst herausfinden”, antwortet Mama.
Mia seufzt. Das sagt Mama immer, wenn sie keine Antwort weiß.
Später sitzt Mia im Garten und denkt nach. Wie es im echten Weihnachtsland wohl aussehen mag? Langsam schwingt sie auf ihrer Schaukel hin und her, und malt sich ihr Weihnachtsland aus. Sie träumt.
„Willkommen hier im Weihnachtsland!”, sagt auf einmal eine helle Stimme.
Erstaunt blickt Mia auf. Sie ist ja auf einmal ganz woanders! Und wer ist dieses fremde Mädchen im silberhellen Kleid, das wie eine kleine Fee aussieht? Alles an ihm flimmert silbern, selbst die Haare.
„W-w-wo bin ich?”, stammelt Mia.
„Im Weihnachtsland”, sagt die kleine Fee fröhlich.
Mia kichert. „Das Weihnachtsland ist nur ein Traum.”
„Na und? Träume können manchmal wahr werden. Soll ich dir das Weihnachtsland zeigen?“
“Oh ja!” Mia springt von der Schaukel und folgt der kleinen Fee.
Sie kommen zu einer Wiese, aber es ist keine Weihnachtswiese. Mia ist enttäuscht. Nichts schimmert golden und silbern, es bimmeln keine hellen Glöckchen, und Schnee gibt es hier auch keinen. Nein, Blumen blühen, Schmetterlinge tanzen um die Blüten, und am Ende der Wiese steht eine Eiche mit einem dicken Stamm und einer mächtigen Krone.
„Ich dachte, hier gibt es Lichterbäume mit Sternenmusik, Engeln, Weihnachtsmännern und Lebkuchen”, murmelt Mia.
Das Feenmädchen lächelt. „Träume haben ihre eigenen Geheimnisse. Sie sind nie so, wie man sie sich vorstellt.“
Langsam gehen sie zur Eiche hinüber, und Mia entdeckt in dem mächtigen Baumstamm ein Tor.
“Das ist das Märchentor. Es führt in das nächste Weihnachtsland.”
„Das nächste?“, wundert sich Mia, und die Fee erklärt:
„Das Weihnachtsland hat unterschiedliche Bilder. Um sie zu sehen, musst du durch viele Türen gehen. Genau genommen sind es 24 an der Zahl. Und jede Tür, die du durchschreitest, bringt dir Weihnachten näher.”
Mia staunt. “Das ist ja wie ein großer Adventskalender!”
Die Fee nickt. “Durch die erste Tür bist du schon gekommen. Es ist das Traumtor, denn du hast dich hierher auf diese Wiese geträumt.”
Mia wundert sich. “Dieses Traumtor habe ich gar nicht gesehen!“
„Es ist unsichtbar wie alle Träume.“
“Sind die anderen Türen auch unsichtbar?”
“Das muss jeder für sich herausfinden.” Die kleine Fee lächelt.
Mia seufzt. “Das hat Mama heute auch schon gesagt.”
“Die Weihnachtszeit ist eine geheimnisvolle Zeit“, flüstert das Feenmädchen Mia zu. „Du wirst staunen.”
“Und was…?”, will Mia gerade fragen, doch da hört sie Mama rufen:
“Mia! Das Essen ist fertig!”
Mia erschrickt und findet sich im Garten auf ihrer Schaukel wieder.
“Komisch”, murmelt sie. “Habe ich das eben geträumt oder bin ich wirklich im Weihnachtsland gewesen?”
Sie schüttelt sich. Dann springt sie auf und läuft ins Haus.
Morgen, nimmt sie sich vor, wird sie wieder ins Weihnachtsland reisen. Mal sehen, durch welche Tür sie dieses Mal “gehen” wird.
“Das muss man eben für sich selbst herausfinden”, murmelt Mia und lacht, weil sie Mamas Spruch nun selbst auch sagt.

© Elke Bräunling