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Als der Schneemann vor Freude lachte

Hoch oben auf dem Skihügels stand eines Tages ein Schneemann: groß und stattlich mit einem dicken Bauch und einem kugelrunden Kopf. Mit seinen schwarzen Knopfaugen, der Möhrennase, dem breiten Mund und dem roten Schlapphut sah er freundlich aus, frech fast. Frech war auch seine Haltung: Er stand nicht wie ein normaler Schneemann aufrecht und starr im Schnee. Nein, er stützte sich auf Skistöcke, als wolle er gleich wie ein Skifahrer bergabwärts gleiten.
„Wo kommst du denn her?“, fragten die Kinder, die mit dem Ski-Schlepplift heraufkamen.
Der Schneemann grinste und schwieg.
„Schade, dass du nicht reden kannst“, meinte ein Mädchen. „Du siehst nämlich nett aus.“
Das bin ich auch, dachte der Schneemann.
„Du würdest toll vor unsere Schule passen“, sagte ein Junge.
Wieder grinste der Schneemann, und man konnte meinen, seine Mundwinkel hätten sich noch breiter verzogen.
„Er lacht wirklich“, rief das Mädchen. „Bist du ein Schneegeist?“
„Ach was! Ein blöder, langweiliger Schneemann ist er“, maulte ein Junge. „Schneemänner sind immer langweilig.“
Alle lachten und gaben dem Schneemann einen Stups, bevor sie sich mit Schwung abstießen und ins Tal hinunter fuhren.
Wehmütig sah der Schneemann ihnen hinterher. Wie gerne wäre er die Piste auch abwärts gefahren. Die Kinder hatten Recht. Er war langweilig und ihm war auch langweilig. Er seufzte, und als der Mond in der Nacht des Wegs kam, blickte der Schneemann richtig griesgrämig drein.
„Was ist mit dir, mein Freund?“, fragte der Mond.
„Mir ist langweilig“, klagte der Schneemann. „Einmal möchte ich auch ins Tal hinunter. Als Schneemann will man schließlich unter die Leute.“
„Das kann ich verstehen.“ Der Mond nickte. „Auch ich fühle mich oft einsam, wenn ich alleine über den Himmel ziehe.“
„Du hast deine Sterne“, brummte der Schneemann.
Da lächelte der Mond und sandte zwei starke Lichtstrahlen zu dem grollenden Schneemann hinab. „Bitte schön! Mondskier! Eigens für gelangweilte Schneemänner erfunden.“
„Mondskier? Für mich?“ Jetzt konnte der Schneemann wieder grinsen.
„Stets zu Diensten allezeit, bin ich gerne hilfsbereit“, grinste der Mond zurück. „Nun beeile dich! Ich muss weiter.“
Da hüpfte der Schneemann auf die Mondstrahlen und glitt langsam den Berg hinab bis ins Dorf hinein. Dort suchte er sich einen besonders schönen Platz auf dem Marktplatz, wo es ihm nicht langweilig werden würde.
„Danke“, rief er dem Mond hinterher, und er grinste so breit über die dicken Backen, dass sein Mund fast die Ohren erreichte.
Wie, glaubt ihr, hat er am nächsten Tag erst gegrinst, als die Kinder auf ihrem Weg zur Schule staunend vor ihm stehen blieben und ihn anstarrten?

© Elke Bräunling

In einer kürzeren Fassung findet Ihr die Geschichte hier: Mondskier für den Schneemann