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Am Ende des Winters
Sommertagszüge am Ende des Winters – ein lieb gewonnener, alter Brauch

Seltsames ereignete sich auf den Straßen. Die Wintergeister, die sich schon seit einiger Zeit etwas schlapp fühlten, wunderten sich. Was war los im Städtchen? Welch ein Trubel! Was für ein Lärm! Vorsichtig linsten sie aus ihren Verstecken.
Es war ein grausiges Treiben, das sich ihnen bot:
Kinder zogen durch die Straßen, trugen mit Brezeln und bunten Bändern geschmückte Stecken und sangen ein Lied: „Tra, ro, ra, der Frühling, der ist da. Herbst und Winter sind vergangen. Frühling hat nun angefangen. Tri, ro, ra, der Frühling, der ist da …!”
Ein gemeines Lied! Die Wintergeister schüttelten sich. Sie hielten sich die Ohren zu, doch das Lied ließ sich nicht abschütteln. Erbarmungslos dröhnte es in ihren schmerzenden Ohren. Wieder und wieder.
Den Wintergeistern wurde heiß vor Grauen.
„Tra, ri, ra, der Frühling, der ist da …?”
Eigentlich wollte der Winterkönig vor Zorn laut lospoltern, doch weil er sich etwas kraftlos fühlte, brachte er nur ein lahmes Krächzen zustande.
„Der Frühling? Das kann nicht wahr sein! Der Bursche ist noch lange nicht an der Reihe. Zuerst einmal muss uns besiegen, und das…”, der Winterkönig verzog sein Gesicht zu einem nervösen Grinsen, „… ja, das haben wir bis jetzt mit Erfolg verhindert und werden es auch weiterhin tun. Ist das klar?”
„Klar …ar … ar …!”, wimmerten die Wintergeister und schwitzen kläglich vor sich hin.
„Tra, ra, ra, der Frühling, der ist da …!”, hallte es zu ihnen herauf.
Die Wintergeister wollten gerade ermattet die Augen schließen, als sie das Feuer auf dem Marktplatz entdeckten.
„Wir treiben jetzt den Winter aus. Im Feuer soll er brennen!”, riefen die Kinder und warfen eine Strohpuppe ins Feuer.
Gierig fraßen sich die Flammen an der Puppe fest, und das Feuer loderte hoch zum Himmel hinauf.
„Jetzt verbrennt er, der Winter!”, rief ein kleines Mädchen und lachte.
Die Wintergeister rissen die Augen auf. Der Winter verbrannte? In heißer Feuerglut? Das durfte nicht wahr sein! Entsetzt beugten sie sich immer weiter aus ihren Verstecken heraus und starrten auf das Flammenmeer. Der Angstschweiß brach ihnen aus. Sie schwitzten und schwitzen und schwitzten, bis nichts mehr von ihnen übrig war.
„Tri, ro, ra, der Frühling, der ist da …!”, sangen die Kinder und zogen ihre Jacken aus. Richtig frühlingswarm war es auf einmal geworden. Was für ein Tag!

© Elke Bräunling

Frühlingsblütenschnee
Frühlings(blüten)schnee, Fotozeichnung © Elke Bräunling