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Der listige Schneekönig und die Nebelgeister – Das Ende der trüben Nebelzeit

Die Herbstgeister ärgerten sich, dass alle über die trübe Nebelzeit schimpften. Die Menschen sollten sich nun auch einmal ärgern, und die Herbstgeister beschlossen, dem Winter mit dickem Nebel den Weg zur Erde zu versperren. Und das taten sie dann auch. Schwer legten sie ihre Nebelarme über das Land. So blieb es dort dunkel und nebeltrist.
Die Gesichter der Menschen verdüsterten sich immer mehr. „Wo bleibt der Winter?“
Auch die Wintergeister fühlten sich elend. Vergeblich rannten sie gegen die Nebelwolken an. Es war zum Eiszapfenausraufen! Am Hof des Schneekönigs herrschte großes Elend.
„Was soll nur werden?“, jammerten die Wintergeister. „Die Kinder warten auf uns.“
Die Nebelgeister lachten und streckten ihre Arme noch weiter aus. Da wurde es auf der Erde noch trüber, und die Schneeprinzessinnen wurden noch trauriger.
Auch der Eisgraf und die Reiffürstin waren niedergeschlagen.
„Ich verlerne das Frosten“, klagte der Eisgraf, und die Reiffürstin murmelte ein um das andere Mal: „Kein Schnee, kein Eis, dreh mich im Kreis, kein Schnee, kein Eis, dreh mich im …“
„So kann es nicht weitergehen“, schrie der Schneekönig eines Tages und donnerte einen Schneehagel über sein jammerndes Volk. „Wir müssen verhandeln.“
Noch am gleichen Tag stieg er ins Nebeltal hinab.
Die Herbstgeister waren über sein Eindringen sehr erregt. Sie blieben unerbittlich, so sehr ihnen der Schneekönig auch schmeichelte.
„Ihr könntet viel schöner sein“, sagte der schließlich listig.
„Niemals! Keiner mag uns. Du lügst“, zischelten die Herbstgeister.
Nur ein Herbstgeistjüngling sah ihn nachdenklich an. „Wie können wir denn schön sein?“, fragte er.
„Ganz einfach“, antwortete der Schneekönig. „Meine Schwester, die Reiffürstin, könnte euer Nebelgrau in ein strahlendes Weiß verwandeln.“
Die Herbstgeister staunten. „Ein strahlendes Märchen-Weiß?“
Der Schneekönig nickte. „Aber ihr lasst ja nicht mit euch reden.“ Er verneigte sich und machte sich auf den Heimweg. „Morgen“, erklärte er seinem Gefolge später, „werden wir ein Loch in der Nebeldecke finden, wetten?“
Und wirklich: Als sich die Wintergeister am nächsten Tag der Erde näherten, öffnete sich über einem Berg ein Nebelloch.
„Ich möchte schöner werden“, tönte die Stimme des Herbstgeistjünglings.
Der Schneekönig grinste. „Einverstanden“, rief er. „Ich schicke dir die Reiffürstin.“ „Aber sie darf nur auf den Berggipfel kommen“, fiepte der Jüngling.
Zu spät. Schon schlüpfte die Reiffürstin mit ihrem Gefolge durch das Nebelloch. Blitzschnell setzten sich die kleinen Reifgeister auf die Baumwipfel, umhüllten alle Äste mit blinkenden Reifkristallen und tauchten den Berg in ein strahlendes Weiß. Darüber schwebte die Reiffürstin und sang ihr Lied: „Viel Reif, viel Eis, ganz silbrig weiß. Ein Glanz so fein. So hell, so rein.“
Meilenweit hallte der Gesang durch die Lüfte. Es ließ ein leises ´Horcht-der-Winter-zieht-ins-Land´ erklingen.
„Gefällst du dir?“, fragte der Schneekönig.
„Schööön!“ Der Herbstgeistjüngling war selig.
Der Schneekönig grinste. „Du könntest noch schöner sein, wenn du die Sonne begrüßen würdest.“
Noch schöner? Schnell zog der junge Herbstgeist alle Arme ein und machte dem Himmelblau Platz.
So fanden die Sonnenstrahlen endlich ihren Weg zur Erde. Sie verwandelten die in Reif getauchten Baumwipfel in Märchenbäume, der Berggipfel ragte wie eine Silberkrone über der Nebelmasse auf.
Neugierig schielten die anderen Herbstgeister auf den Berg mit der Glitzerkrone. So schön wollten sie auch sein. Gierig rissen sie ihre Nebelarme auseinander, so dass die Reif- und Eisgeister überall den Weg zur Erde fanden. Bald überzog eine feine Reifschicht das Land. Ein frostig kalter Wintertag begann, und der Eisgraf verteilte überall Eis und Frost.
Als aber am Nachmittag die Sonne ihre Strahlen zurückzog, wunderten sich die Herbstgeister, dass ihre Schönheit nachließ. „Man hat uns betrogen“, heulten sie. „Schnell, breitet eure Nebelarme aus!“
Der Eisgraf aber hatte das Land bereits so weit erobert, dass es für Nebel zu frostig war. Die Nebelschwaden lösten sich in Wölkchen auf, aus denen es zart zu schneien begann, und am nächsten Tag bedeckte eine Schneeschicht das Land.
Was freuten sich da die Kinder!
Die Herbstgeister aber schämten sich, dass sie auf die List des Schneekönigs hereingefallen waren. Immer wenn sie sich daran erinnern, werden ihre Gesichter vor lauter Schämen ganz rot. Du kannst es sehen, wenn die Sonne nach einem besonders schönen Wintertag untergeht. Findest du nicht auch, dass das Abendrot dann viel röter ist als sonst?

© Elke Bräunling

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