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Ein Besuch bei Sinterklaas
Ein spannendes und fröhliches Nikolausfest in Holland

„In Holland“, erzählte uns Papa eines Tages, „ist der Nikolaus so etwas wie das Christkind.“
Hihi! Wir kringelten uns vor Lachen. Der Nikolaus mit Rauschebart und Faltengesicht sollte ein Christkind sein? Nein, das konnten wir uns nicht vorstellen.
„Dieses Christkind sieht bestimmt ganz schön komisch aus“, lachte Lena, und ich blätterte in unseren Weihnachtsbüchern. Vielleicht fand ich ein Bild von diesem holländischen Nikolaus-Christkind?
Papa aber hatte eine bessere Idee. „Wisst ihr was?“ sagte er. „Nikolaustag ist dieses Jahr am Wochenende. Was haltet ihr davon, wenn wir Tante Linda und Onkel Ben in Den Haag besuchten?“
„Au ja!“, riefen wir und freuten uns. Onkel Ben mochten wir nämlich gut leiden, ebenso Tante Linda, Jan und Hendrik. Besonders Hendrik mochte ich sehr. Er war -irgendwie- so süß, aber das erzählte ich keinem. Mama, Papa und Lena würden bloß lachen und „Die-Jana-ist-verknallt“ sagen, und das mochte ich nicht hören. Trotzdem klopfte mein Herz ganz arg, als wir in Den Haag ankamen.
Jan und Hendrik warteten schon vor dem Haus auf uns.
„Los! Beeilt euch!“, rief uns Jan entgegen, „bald fährt Sinterklaas im Hafen ein.“
Und Hendrik maulte: „Wegen euch kommen wir noch zu spät.“
O je! Hendrik schien sich ja nicht auf unseren Besuch zu freuen. Vor Enttäuschung vergaß ich ganz, zu fragen, wer dieser ‚Sinterklaas‘ denn sei. Ich dachte mir auch nichts dabei, als Mama Onkel Ben heimlich einen Karton voller bunt verpackter Päckchen aus unserem Kofferraum gab. Doch zum Grübeln blieb auch wenig Zeit.
„Lasst uns gleich losrennen!“, schlug Lena vor. „Dann treffen wir euren ‚Sintadingsda‘ bestimmt noch.“
Onkel Ben musste lachen. „Sinterklaas“, erklärte er uns, „ist holländisch und heißt ‚Nikolaus‘! Ihm zu Ehren feiern wir heute ein fröhliches Nikolausfest. Es ist für die holländischen Kinder das schönste Fest im Jahr.“
„Schöner als Weihnachten?“, fragte Lena ungläubig.
„In Holland bringt Sinterklaas die Geschenke“, sagte Tante Linda. „Wie bei euch das Christkind an Heiligabend Wünsche erfüllt, so tut es Sinterklaas bei uns heute.“
Ach so! Dieser Sinterklaas-Tag war hier also so ähnlich aufregend wie bei uns Heiligabend!? Klar, jetzt wusste ich, warum Jan und Hendrik so ungeduldig waren. Ich fasste mir ein Herz, nahm Hendrik an der Hand und rief: „Los! Beeilen wir uns!“
Dann rannten wir zum Hafen. Und wir hatten Glück! Wir kamen noch nicht zu spät.
Viele Leute hatten sich am Hafen versammelt und starrten aufs Meer.
„Worauf warten die alle?“, fragte ich.
„Auf Sinterklaas“, sagte Jan. „Gleich kommt er auf seinem Schiff aus Spanien angereist.“
„Auf einem Schiff?“
„Aus Spanien?“
Uns blieb keine Zeit zum Wundern, denn schon segelte das Sinterklaas-Schiff in den Hafen herein. Neugierig blickten wir ihm entgegen, und ich erkannte Sinterklaas sofort. In roter Bischofstracht stand er im Schiff neben seinem Pferd und lachte uns freundlich entgegen. Hinter ihm stand ein finsterer, grausiger Typ. Er trug komische, altmodische Klamotten und verzog das Gesicht zu fiesen Grinsgrimassen.
„Das ist der Swarte Piet“, flüsterte Hendrik. „Vor dem müsst ihr euch in Acht nehmen. Der mag Kinder nicht leiden.“
Das stimmte. Drohend schwenkte er seine Rute und glotzte uns grinseblöd an. Da drückte ich mich ein kleines bisschen enger an Hendrik, und auch Lena und Jan rückten zusammen. Mit dem Swarten Piet mochte keiner etwas zu tun haben.
Dann legte das Schiff an, und Sinterklaas ritt von Bord.
Im gleichen Moment fingen Kirchenglocken zu läuten an.
Das klang schön. Und feierlich. Und wir zogen singend in einem langen Lichterzug mit Musik hinter Sinterklaas und dem Swarten Piet her zum Rathaus, wo Sinterklaas feierlich begrüßt wurde.
„Toll“, sagte ich andächtig, und Lena meinte sehnsüchtig:
„Ihr habt´s gut mit eurem Sinterklaasfest.“
Doch das Fest war noch lange nicht zu Ende.
Als wir müde, aber glücklich zu unseren Eltern zurückkehrten, sagte Tante Linda:
„Und jetzt wird gefeiert!“
„Noch mehr Feiern?“, fragte sich Lena. „Prima.“
Da mussten unsere holländischen Freunde lachen.
„Jetzt beginnt unser Sinterklaasfest erst so richtig“, rief Jan und zog sich die Schuhe aus. Hendrik tat es ihm nach, und Onkel Ben sagte zu uns: „Los, ihr zwei! Stellt eure Schuhe auch vor die Tür, damit Sinterklaas Platz für seine Geschenke hat!“
Waas? Sinterklaas würde auch uns beschenken? Schnell zogen wir unsere Schuhe aus, stellten sie vor die Tür und legten ein paar Möhren daneben für das Pferd von Sinterklaas.
„Das ist spannend“, freute sich Lena. „Und was machen wir jetzt?“
„Schau mal aus dem Fenster!“, sagte Hendrik. „Vielleicht siehst du Sinterklaas über die Dächer reiten.“
„Über die Dächer?“, maulte Lena. „Quatschkram!“ Trotzdem war sie nicht mehr vom Fenster wegzubringen. Das mit dem über Dächer reitenden Sinterklaas hätte sie gerne gesehen.
So saßen wir da, tranken Kakao, aßen Spekulatiuskekse und warteten. Spannend war das. Genau wie bei uns, wenn wir an Heiligabend auf die Bescherung warteten.
Endlich rief Onkel Ben: „Ich glaube, eben habe ich draußen etwas gehört.“
Sogleich stürzten Jan und Hendrik in den Flur und schrien:
„Juchhu!“ und „Hurra!“ und „Sinterklaas war da!“
„Und ich hab ihn nicht über die Dächer reiten sehen“, schmollte Lena und rannte schnell in den Flur.
Dort lag neben unseren gefüllten Schuhen ein hoher, bunter Päckchenberg.
„Soo viele Geschenke an Nikolaustag?“, staunten wir, doch Jan und Hendrik waren schon am Verteilen.
„Für dich!“, sagte Jan und reichte mir ein Päckchen.
„Wirklich für mich?“, fragte ich überrascht und packte vorsichtig mein Geschenk aus. Aber was war das? Ein kleineres Päckchen steckte in meinem Geschenkepäckchen und darauf stand: „Für Ben!“
Alle lachten, ich aber war enttäuscht.
„Für dich!“, sagte ich traurig und gab mein Päckchen, das gar nicht meines war, an Onkel Ben weiter.
Der machte sich sogleich ans Auspacken, doch auch er hatte Pech. Er fand nämlich auch bloß ein weiteres Päckchen mit einem Zettel, und auf dem stand: „Für Lena!“
„Juchhu!“, kreischte Lena und riss das Papier auf, ja, und sie hatte Glück. Kein weiteres Päckchen kam zum Vorschein, sondern eine CD von Lenas Lieblings-Musikgruppe. Darauf klebte ein Zettel mit einem lustigen Spruch, und der hieß:
„Lena, die liebe, kriegt heut keine Hiebe, doch wenn sie ein wenig nur folgsamer wär´, freuten sich über sie alle noch mehr!“
Lena stutzte, dann jubelte sie los: „Er gefällt mir, dieser Sinterklaas!“
Klar, wir lachten alle erst einmal. Dann packten wir das nächste Päckchen aus, dann das nächste undsoweiter…
Ehrlich, dieses Sinterklaasfest war ganz schön anstrengend. Sinterklaas machte es uns mit dem Beschenken nämlich recht schwer. Päckchen um Päckchen packten wir aus, und jedes Mal dauerte es eine Weile, bis das richtige Geschenk beim richtigem Empfänger gelandet war. Und jeder bekam zu seinem Geschenk auch noch einen Spruch. Die waren alle sehr lustig, und wir hatten viel zu lachen und zu freuen. Es war ein wunderschönes Fest, das ich nie mehr im Leben vergessen würde.

© Elke Bräunling

Bald ist Nikolaustag.
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