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Mia und der Weihnachtsmann

Mia ist sich nicht sicher, ob es den Weihnachtsmann gibt. Trotzdem hat sie einen langen Wunschzettel geschrieben, und Mama hat gemeint:
”Wenn sich alle Kinder so viel wünschen, wird der Weihnachtsmann kaum Lust haben, an Weihnachten zu kommen.“
„Klar“, hat Mia lachend geantwortet. „So viele Päckchen kann er ja gar nicht schleppen.“
Heute endlich ist Heiligabend, und Mia wartet auf die Bescherung. Warten aber ist langweilig. Mia geht in den Garten.
„Wieder keine weiße Weihnacht!“, mault sie. „Ich würde so gerne einen Schneemann bauen. Aber vielleicht bringen die Wolken ja Schnee? Vielleicht zusammen mit dem Weihnachtsmann, wenn er, hihi, auf seinem Schlitten über den Himmel geritten kommt?“
Mia setzt sich auf die Schaukel unter der Linde und schaut träumend durch die kahlen Äste in den Winterwolkenhimmel.
Plötzlich zupft es an ihrem Hosenbein. Mia erschrickt.
„Hier bin ich!“, quäkt es.
„Wo denn?“
„Jadoch, hierdoch“, tönt die Quäkstimme.
Da sieht Mia den Fremdling. Ein kleines Weihnachtsmännlein ist´s, das sich an ihrer Jeans festklammert.
„Los! Los!“, ruft es. „Es eilt!“
„Ja ja.“ Vorsichtig pflückt Mia das Männlein von ihrer Hose.
„Hört zu!“, sagt der Fremde. „Du musst uns helfen!“
„W-was?“, fragt Mia erstaunt. „Helfen? Ich? Wer bist du?“
„Klardoch! Ein Weihnachtswichtel bin ich und in Not bin ich. Nein, das heißt, der Weihnachtsmann ist´s, der in der Patsche sitzt. Er hat doch tatsächlich vergessen, dass heute Heiligabend ist. Die ganze Zeit sitzt er vor hohen Wunschzettelbergen und wird und wird nicht mit dem Lesen fertig. Wenn kein Wunder geschieht, fällt die Bescherung in diesem Jahr aus.“
„Was für ein Wunder muss denn geschehen?“, fragt Mia.
Der Wichtel sieht Mia bittend an. „Ein Kind muss ihn holen. Ein Kind, das nicht so dumm ist und sagt, es gäbe keinen Weihnachtsmann.“ Er sieht Mia prüfend an. „Du glaubst doch an den Weihnachtsmann, oder?“
„A-aber j-jaa!“, stammelt Mia. „Und was kann ich tun?“
„Zum Weihnachtsmann musst du!“, sagt der Wichtel eifrig. „Du musst ihm sagen, dass Heiligabend ist. Auf uns Wichtel hört er ja nicht. Loslos. Schnell! Es eilt!“
„Ich weiß. Bald ist Bescherung“, sagt Mia. „Aber wie und wo finde ich den Weihnachtsmann?“
„Nichts leichter als das“, freut sich der Wichtel und gibt der Schaukel einen Schubs.
Die schaukelt los, hoch und höher himmelwärts, und schon fliegen Mia und der Wichtel über verschneite Länder nach Norden. Spannend ist das. Und kalt.
„Wo wohnt denn der Weihnachtsmann?“, fragt Mia aufgeregt.
„In Lappland am Berg Korvatunturi“, antwortet der Wichtel. „Und da sind wir auch schon.“ Die Schaukel landet vor einem verschneiten Haus mit roten Hauswänden und hell erleuchteten Fenstern.
„Sieh selbst!“ Der Wichtel deutet auf ein Fenster, und Mia linst durch die Fensterscheibe. Wirklich, da sitzt er, der Weihnachtsmann, vor einem hohen Zettelberg und liest.
„Längst müsste er unterwegs sein zu den Kindern“, quengelt der Wichtel. „Stimmt“, sagt Mia und klopft ans Fenster.
Der Weihnachtsmann reckt sich, gähnt und öffnet die Tür.
„Hallo!“, staunt er. „Was verschafft mir die Ehre deines Besuches?“
„Ich möchte dich abholen, Weihnachtsmann“, sagt Mia. „Die Kinder warten, dass du auf deinem Schlitten über den Himmel ziehst und deine Geschenke bringst.“
„Hm!?“ Wieder schüttelt der Weihnachtsmann seinen weißen Lockenkopf. „Die Kinder warten? Jetzt schon?“
„Es ist Heiligabend!!!“, rufen Mia und der Wichtel laut.
Da bekommt der Weihnachtsmann einen Schrecken. „Heute?“ Er deutet auf die Zettelberge. „Ich bin noch nicht mit den Wunschzetteln hier fertig. Es sind so viele.“
Er geht zum Kalender und kratzt sich am Kopf. „In der Tat. Es ist der 24. Dezember. Das ist mir ja noch nie passiert! Danke, dass du gekommen bist. Ich muss los! Aber was mache ich mit den ungelesenen Wunschzetteln? Ich kann doch die Kinder beim Bescheren nicht vergessen!?“
„Du könntest die fertigen Päckchen neu aufteilen“, schlägt Mia vor. „So kriegt jeder etwas ab.“
„Aber dann erfülle ich nie und nimmer alle Wünsche“, sagt der Weihnachtsmann bekümmert. „Die armen Kinder!“
„Na und?“, fragt der Wichtel. „Dann bekommen sie eben ein paar Geschenke weniger. Ist das so schlimm?“
Mia schüttelt den Kopf. „Lieber ein paar Geschenke weniger als dass du gar nicht kommst.“
„Wirklich?“, fragt der Weihnachtsmann zaghaft. „Traurige Kindergesichter mag ich nämlich nicht leiden.“
„Ich werde nicht traurig sein“, ruft Mia. Sie fasst sich ein Herz, schließt die Augen und drückt dem Weihnachtsmann einen Kuss auf die Backe.
Da tropft eine Weihnachtsmannträne genau auf Mias Nase. Kühl fühlt sie sich an, und Mia öffnet die Augen.
Was aber ist das? Sie sitzt ja wieder im Garten auf der Schaukel!?
Hat sie den Besuch beim Weihnachtsmann nur geträumt?
Mia greift nach der Weihnachtsmannträne und findet einen Schneeflockenstern.
Schnee??? Mia blickt zu den Wolken. Ja. Erste Schneeflocken wirbeln durch die Luft.
„Es schneit!“, jubelt Mia. „Juchhu! Nun gibt es doch eine weiße Weihnacht. Und bestimmt ist der Weihnachtsmann auch nicht mehr weit.“
Sie springt auf und eilt ins Haus. Eine Kerze funkelt ihr vom Fenster entgegen. Ach, wie schön ist Weihnachten…

© Elke Bräunling

Die Kurzfassung dieser Geschichte findest du hier, dieses Mal mit Max als Helden: Max besucht den Weihnachtsmann