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Ein Geschenk für Anna
Jule saß im Schneidersitz auf ihrem Bett und blätterte in einer Zeitschrift. Sie suchte nach einer Geschenkidee für ihre beste Freundin Anna.
Es sollte etwas Besonderes sein. Das war gar nicht so einfach, denn die beiden Mädchen kannten sich schon seit der Kindergartenzeit und in jedem Jahr hatten sie sich etwas geschenkt zu Weihnachten und immer war es etwas Einzigartiges gewesen.
Im letzten Jahr hatte Anna ein Buch bekommen, auf dessen Einband ein Leuchtturm zu sehen war, denn Anna liebte Leuchttürme. Die Seiten des Buches waren leer, es wanderte seitdem immer hin und her zwischen den Freundinnen. Mal schrieb die eine etwas hinein, dann die andere. Das war spannend.
Im Jahr davor hatte Jule ein Bild gemalt. Eine Dünenlandschaft mit Leuchtturm, ein anderes Geschenk war ein getöpferter Turm gewesen, in rot-gelb geringelt. Jule legte Wert darauf, dass es nicht einfach ein gekauftes Geschenk war. Das konnte ja jeder.
Sie legte das Heft zur Seite und überlegte mit geschlossenen Augen weiter. Da es ein anstrengender Tag gewesen war und im Zimmer schön warm und gemütlich, schlief sie bald darauf ein.

Sie träumte, dass sie auf einem Weihnachtsmarkt war. Viele fremde Menschen hatten sich dort versammelt und Jule fühlte sich allein unter ihnen. Nicht ein einziges bekanntes Gesicht sah sie. Ein kleines Mädchen stand weinend neben dem Kinderkarussell. Niemand kümmerte sich um das Kind. Jule sprach es an und fragte, wo denn die Eltern seien. Das Kind antwortete nicht. Verzweifelt schluchzte es. Jule nahm seine Hand und redete beruhigend auf es ein.
„Wir suchen deine Eltern, komm!“ Ein Weihnachtsmann kam ihnen entgegen. Er sah Jule und das weinende Mädchen.
„Oh!“, rief er, „Da hat wohl jemand Kummer. Kann ich helfen?“
Er setzte seine Mütze ab und stülpte sie dem Mädchen auf den Kopf. Dann griff er in seine Manteltasche, holte ein kleines Fläschchen heraus und öffnete es. Er streute ein wenig von dem Inhalt auf den Bommel der Mütze, der daraufhin zu leuchten begann, strahlend hell. Dann nahm er das Kind auf seinen Arm und rief: „Wo sind denn die Eltern des kleinen Mädchens, schaut alle her!“
Eine Frau bahnte sich durch die Menge, sie weinte ebenfalls.
„Mia! Da bist du ja!“, rief sie. „Ich habe dich überall gesucht!“

„Jule! Das Abendbrot ist fertig!“
Jule rieb sich die Augen. Ihre Mutter stand neben dem Bett.
„Ich habe geträumt, es war sehr aufregend, aber alles ist gut ausgegangen!“, erzählte Jule und während sie sich an den Traum erinnerte und der Mutter davon erzählte, wusste sie, was sie Anna zu Weihnachten schenken wollte. Eine Bommelmütze, in gelb-rot geringelt und sie sollte einen Leuchtbommel bekommen, so wie die Weihnachtsmannmütze auf dem Weihnachtsmarkt. Beim Stricken würde Mama ihr helfen und einen Leuchtbommel, den würde sie sicher finden, irgendwo – irgendwie.

© Regina Meier zu Verl