Schlagwörter

, , , , , , , , , , , , , , ,

Diese Geschichte haben wir heute geschrieben, d.h. wir haben einen älteren Text etwas geändert und in die Weihnachtszeit versetzt, um damit auf einen Appell aufmerksam zu machen.
Ein Appell, der uns alle angeht.
Und bitte: Schaut … nicht … weg !!!
SCHAUT HIN !!!

‚Ordnung‘ in der Fußgängerzone

Es ist der letzte Einkaufssamstag im Advent. Hunderte von Menschen sind unterwegs, um noch Geschenke zu besorgen oder um ein bisschen über den Weihnachtsmarkt zu bummeln. Vor dem Kaufhaus singt ein Kinderchor Weihnachtslieder aus Deutschland, Frankreich, England und Amerika. Eine bunte Mischung in verschiedenen Sprachen.
„Lieder aus aller Herren Länder. Ist das nicht wunderbar?“, fragt eine ältere Dame ihren Mann. „Wie international wir doch geworden sind!“
Sie trägt einen kleinen Hund unter dem Arm und nickt wohlgefällig.
Dem Hund aber macht der Rummel offensichtlich keinen Spaß. Er zittert. Dann fängt er an, aufgeregt zu bellen.
Laut ist es nämlich plötzlich in der weihnachtlichen Fußgängerzone geworden. Laut und gar nicht festlich. Ein Knäuel älterer Jungs wälzt sich schlagend und brüllend am Boden. Wild geht es zu und rau. Einer von ihnen sitzt blutend an eine Hauswand gelehnt. Er hat eine dunkle Hautfarbe. Und die Raufhähne prügeln nun weiter auf seinen Freund, der ebenfalls dunkelhäutig ist, ein. Vier gegen einen. Wie unfair! Sie hauen, treten und werfen ihm unschöne Worte an den Kopf. Es sind Worte voller Hass. Worte, die jedem, der sie sich anhören muss, weh tun würden.
Da ist aber keiner, der helfend eingreift. Gleichgültig gehen die Leute ihres Weges. Manche gucken rasch weg. Da ist keiner, der sagt: ”Hört auf zu streiten!” oder ”Vier gegen einen ist unfair!” Da ist auch keiner, der dem Verletzten hilft. Es ist, als würde hier gar keine Prügelei stattfinden.
Die Frau mit dem Hund ist längst weiter gegangen.
”Schau nicht hin!”, sagt eine Mutter zu ihrem Jungen im Vorübergehen.
Der kleine Junge aber will nicht wegschauen. Er hat nämlich einen Freund, der auch eine dunkle Hautfarbe hat. Er ist sein bester Freund. Daran muss der Junge denken. Er reißt sich von der Hand seiner Mutter los und rennt auf die Gruppe der Schläger zu.
”Hört auf!”, schreit er so laut er kann. ”Vier gegen einen ist gemein! Ach, ihr seid ja alle so gemein!”
Die Streithähne lachen, die Mutter schreit erschreckt auf.
”Komm!”, ruft sie dem Jungen zu. ”Dies hier ist viel zu gefährlich für uns.”
Doch der Junge ist nun so wütend, dass er mit seinen kleinen Fäusten wie wild auf einen der Prügelknaben einhaut.
”Seht euch den tapferen kleinen Jungen an!”, sagt eine alte Dame mit Gehstock. ”Er zeigt uns, was hier zu tun ist.”
Sie stürmt ebenfalls auf die Gruppe zu und haut einem der Kerle die Handtasche auf den Kopf.
Nun endlich sind die Leute aufgewacht. Eilig kommen sie herbei, trennen die Kampfhähne voneinander und helfen den beiden verletzten Jungen.
”Danke”, sagt einer von ihnen und lächelt verlegen.
”Das ist doch selbstverständlich!”, sagt ein jüngerer Mann. ”Wir lassen nicht zu, dass man wegen seiner Hautfarbe verprügelt wird.”
”Stimmt!”, ruft ein anderer, und die umstehenden Passanten nicken.
”Wir sind ordentliche Leute in einem ordentlichem Land”, sagt eine Frau.
”Echt wahr?”, fragt der kleine Junge ernst. ”Wann fängt diese Ordnung hier denn an?”
Die Leute schweigen. Einige werden rot vor Verlegenheit.
Na, vielleicht denken sie über das, was heute hier geschehen ist, nach.
Vielleicht.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Eine sehr weihnachtliche Geschichte passend dazu findet ihr hier: Der kleine Sternenengel und die Hoffnung
Sie endet übrigens so, diese Geschichte vom kleinen Sternenengel, der es nicht übers Herz bringt, wegzuschauen:
Auch in diesem Jahr hatte der kleine Sternenengel sein Licht verloren. Das war, als er in unserem Land Menschen entdeckt hatte, die eine neue Heimat suchten. Doch sie schienen nicht willkommen zu sein. Der kleine Engel sah Hass und Gewalt, und er hörte viele böse Worte.
“Wo sollen sie denn hin?”, empörte er sich. “Es ist doch genug Platz in diesem reichen Land!” Und weil er dies nicht begriff, musste er wieder weinen. Er weinte und … landete in einer Stadt mitten in einem hellen, warmen Lichtermeer. Viele Menschen, große und kleine, alte und junge, arme und junge, standen auf den Straßen,und jeder hielt ein kleines Licht in der Hand. Ein Licht gegen Hass und Streit und Gewalt. Es war eine funkelhelle Lichterkette, und auch die Menschengesichter strahlten hell und freundlich.
Der kleine Sternenengel lächelte. “Die Hoffnung”, rief er. “Sie ist immer noch da!”
Da kehrten die Lichtgeister zu ihm zurück, und die Sternchen auf seinem Gewand funkelten. Der kleine Sternenengel blinkerte den Menschen einen Abschiedsgruß zu und kehrte zu seinem Himmelsplatz zurück. Er war zufrieden. Es gab sie noch immer, die Hoffnung. Und es würde sie auch immer geben…