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Freude im Tannenwald

Laut war es im Wald zugegangen. Menschen waren da gewesen. Mit kreischenden Sägen hatten sie die Tannen am Hang gefällt und auf einen Lastwagen geworfen. „Für Weihnachten“, hatten sie gesagt. Die übrig gebliebenen Tannenzweige aber ließen sie liegen. Die brachten kein Geld ein.

Im Wald war es wieder ruhig geworden. Wenn man aber genauer hinhörte, vernahm man ringsum ein leises Wimmern. Es waren die Waldmännlein. Die weinten so bitterlich, dass die Waldfee vor Schreck beinahe von der hohen Tanne, in deren Wipfel sie sich zurückgezogen hatte, gefallen wäre.

„Die Waldmännlein!“, murmelte sie. „Sie brauchen Hilfe.“

Sie drehte am Knopf ihres lindgrün gestreiften Gewandes und sang: „Über Gipfel, Baumeswipfel, trag mich fort zu jenem Ort!“

Schon landete sie inmitten der Waldmännleinschar.

Die plapperten sogleich aufgeregt auf die gute Fee ein, bis das Oberwaldmännlein ein lautes „Ruhe!“ brüllte und den Gast willkommen hieß.

Die Waldfee lächelte. „Ich teile eure Traurigkeit“, sagte sie. „Nur ein Wunder wird uns helfen. Ein Wunder, das uns die Freude zurückbringt. Aber wir müssen etwas dafür tun. Seid ihr bereit?“

„Jaaa!“ riefen die Waldmännlein in einem vielstimmigen Chor. Sie klangen schon nicht mehr ganz so traurig.

„Gut“, sagte die Fee. „So bindet aus Zweigen einen Kranz! Packt all eure Zauberkräfte mit hinein! Den Kranz legt auf die Bank am Waldrand und wünscht euch, dass er in gute Menschenhände gelangt. Jeden Tag soll er die Menschen ein bisschen erfreuen und dann wird er nicht verwelken. Auch zu euch wird so dann die Freude zurückkehren.“
„Oh je oje“, jammerte eines der Waldmännlein. „Ob sich Menschen heutzutage über einen Kranz noch freuen können?“

„Das wäre ein Wunder“, murmelte ein anderes.“
„Kein Wunder ohne Hoffnung“, sagte die Fee.
Da klatschte das Oberwaldmännlein in die Hände und rief: „Eins, zwei, drei, seid dabei, eure Kräfte, gebt sie frei, hurtig, eilig, blitzgeschwind für das Zauberkranzgebind’!“

Sogleich wimmelte es auf dem Waldweg von Waldmännlein, die den Kranz banden.
Am nächsten Tag lag auf der Bank bei der Bushaltestelle am Waldrand ein Kranz aus grünen Zweigen und wartete auf einen Menschen.
Es heißt, er soll nicht lange dort gelegen haben. Eine gutes Zuhause soll er gefunden haben. Man munkelte auch, dass die Waldmännlein sehr schnell ihre Freude zurückgewonnen hatten. Man konnte sie nämlich wieder – leise – lachen hören. Manchmal, wenn man gut auf die Stimmen des Waldes achtete.

© Elke Bräunling

Und so könnte die Geschichte mit dem verzauberten Kranz weiter gehen: Der „verzauberte“ Kranz

Die lange Fassung dieses Adventsmärchens findest du hier: Der Zauberkranz aus dem Wald