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Die Engelskerze

Einmal hatte ein Gärtner vor lauter Trubel vergessen, einen Kranz für seinen kleinen Jungen zuhause aufzuheben.
„Oje“, murmelte er, als am Abend vor dem ersten Advent plötzlich alle Kränze verkauft waren. „Tobias wird traurig sein, wenn ich ohne Kranz nach Hause komme. Ich muss schnell noch einen binden.“
Er holte Tannenzweige, Draht und Adventsschmuck. Nur Kerzen fand er keine. Sie waren ausverkauft. Er suchte und kramte in allen Ecken, doch es war keine einzige Kerze übrig. Was nun?
Traurig wollte er sich auf den Heimweg machen, doch da, plötzlich, blinkte es ihm vom Fenster her entgegen.
Was war das?
Der Gärtner starrte ins Schaufenster. Blumen standen da, Grünpflanzen und der alte Holzengel, der im Advent hier seinen Platz hatte. Der Gärtner lächelte. Oft hatte er als Junge bei dem Engel gesessen und sich Märchen erträumt.
Er blickte auf den alten Engel, der eine Kerze in den Händen hielt. Eine dünne, blassrote Kerze.
„Oh! Danke, kleiner Engel!“, rief der Gärtner voller Freude. Und er nahm die Kerze mit nach Hause.
Dort wartete Tobias schon auf ihn.
„Hast du unseren Adventskranz vergessen?“, fragte er.
„Hilf mir, kleiner Engel!“, betete der Gärtner. Er nahm Tobias in den Arm. „Ich habe dir etwas anderes mitgebracht.“
Er steckte die Kerze in einen Apfel.
Tobias war enttäuscht. „Das ist nur eine alte Kerze!“
„Eine Engelskerze ist’s“, sagte der Gärtner. „Sie zaubert den Advent ins Zimmer. Schöne Geschichten schenken Engelskerzen den Kindern im Traum.“
Er zündete die Kerze an. Sie duftete süß.
„Oh!“ Tobias staunte. Nun konnte er sich nicht schnell genug mit dem Zubettgehen beeilen.
„Vielleicht schickt mir die Engelskerze schon heute Nacht eine Geschichte!“, rief er aufgeregt. „Danke, Papa.“
Der Gärtner lächelte, streichelte über Tobias’ Kopf und murmelte:
„Danke, kleiner Engel!“

© Elke Bräunling

Eine längere Fassung dieser Geschichte findest du hier: Die Kerze des kleinen Engels