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Das verschlafene Weihnachtsfest

Einmal hatte der Weihnachtsmann keine Lust mehr, Weihnachtsmann zu sein.
„Ich bin zu alt für diesen Job“, murmelte er und lehnte sich in seinem Sessel zurück. Er gähnte und schlief ein.
Tief und fest verschlief er die Tage vor dem Fest. Er hörte nicht seine Gehilfen nach ihm rufen. Er merkte auch nicht, wie sie versuchten ihn zu wecken, wie sie ihn rüttelten und schüttelten.
Sehr erregt waren seine Gehilfen da.
„Morgen ist Weihnachtsabend“, jammerten sie. „Er muss sich auf den Weg machen. Was wird sonst aus den vielen Päckchen, die wir für die Kinder gepackt haben?“
Sie zerrten an den Armen des Weihnachtsmannes und riefen:
„Steh auf, Weihnachtsmann!“
Der aber knurrte nur ein bisschen und schnarchte weiter.
So kam es, dass der Weihnachtsmann in jenem Jahr das Weihnachtsfest verschlief.
Trotzdem hatten die Kinder eine wunderschöne Zeit. Als ihre Eltern nämlich gemerkt hatten, dass der Weihnachtsmann nicht kommen würde, kramten sie rasch ihre alten Spielsachen vom Dachboden hervor, stellten Obst, Naschereien und Kuchen auf den Tisch und suchten nach spannenden Spielen, die sie mit ihren Kindern an den Weihnachtstagen spielten.
Die Kinder freuten sich sehr über dieses ungewohnte Weihnachtsfest. Niemand war enttäuscht oder traurig. Es gab keinen Streit, keinen Neid und keinen verdorbenen Magen. Aber sie hatten viel Spaß und Zeit, um gemeinsam zu spielen, singen, erzählen und zu lachen.
„Seht ihr“, sagte der Weihnachtsmann, als er später erwachte, „es geht auch ohne mich. Sehr gut sogar geht es.“
Seither besorgen die Eltern die Sache mit den Wünschen und Geschenken. Sie machen es genau so gut wie der Weihnachtsmann. Oder fast so gut. Da passt der Weihnachtsmann genau auf. Und manchmal geht er auch zu den Kindern. Nachts, wenn sie schlafen. Und er schenkt ihnen wunderschöne Träume. Vom Weihnachtsmann und vom Christkind.

© Elke Bräunling

In einer langen Fassung findest du die Geschichte hier: Als der Weihnachtsmann Weihnachten verschlief