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Als der kleine Rabe eine Weihnachtskugel fand

Weihnachtsmarkt war in der Stadt. Der kleine Rabe, der anders als seine Kameraden nicht ‚wie ein Rabe klauen‘ konnte, saß auf einer Laterne und staunte. Viel los war auf dem Marktplatz und alles war glitzerbunt. Bis zum Abend blieb der kleine Rabe hier sitzen. Als er sich endlich auf den Heimweg machte, sah er eine golden glitzernde Kugel auf dem Boden liegen. Es war eine Weihnachtskugel, die jemand vergessen hatte.
„Schön!“, staunte er. „Du glitzerst so wunderschön. Sag, wer bist du und warum liegst du hier?“
„Man hat mich kaputt gemacht. Siehst du das kleine Loch?“, klagte die Kugel. „Ich bin nun keine rechte Weihnachtskugel mehr.“
Der kleine Rabe nickte. „Ich bin auch kein rechter Rabe, sagen meine Freunde. Weil ich noch nie etwas geklaut habe. Raben klauen nämlich. Doch nun muss ich zurück in den Wald.“
„Nimmst du mich mit?“, fragte die Weihnachtskugel. „Hier bin ich nutzlos.“
„Nicht für mich“, sagte der kleine Rabe.
Er nahm die Kugel in den Schnabel und flog mit ihr zu den Bäumen am Waldrand, wo seine Familie hauste. Dort hängte er sie an den oberen Ast der großen Tanne und setzte sich daneben.
Die Weihnachtskugel freute sich und drehte sich im Wind.
„Schön ist es hier!“, rief sie.
„Stimmt!“, sagte der Mond, der hinter einer Wolke hervorkam. Und er schickte einen Lichtstrahl zu der Weihnachtskugel, die nun hell wie ein Zauberlicht funkelte.
Die Waldtiere staunten, und alle wollten auf der Tanne Platz nehmen und die Weihnachtskugel anschauen.
“Du bist ja doch ein rechter Rabe”, riefen die Freunde des kleinen Raben. “Nun hast du auch etwas geklaut.”
Der kleine Rabe aber lächelte nur. Es war ihm egal, was die anderen dachten. Er sah voll Freude zu seiner neuen Freundin, der Weihnachtskugel, hinüber. Bestimmt würden sie viele glitzerfunkelhelle Winternächte miteinander verbringen.

© Elke Bräunling

Die lange Originalfassung dieser Geschichte findest du hier: Der kleine Rabe und die Weihnachtskugel