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Glatteis

Jonathan war mit Oma Betty im Kino. Jetzt sitzen sie im Bus, der sie wieder nach Hause bringt.
„Ins Kino gehen ist viel schöner, als einen Film im Fernseher anzusehen“, schwärmt Jonathan und Oma nickt.
„Ja, das finde ich auch. Die Bilder sind so schön groß und man konzentriert sich nur auf den Film. Kein Telefon schellt und Opa schnarcht nicht dazwischen.“
Jonathan kichert.
„So schlimm ist es doch auch nicht, wenn er schnarcht“, verteidigt er seinen Opa Heinz.
„Du hast gut reden, hast ja auch ein Zimmer für dich allein. Sollen wir mal eine Nacht tauschen, dann weißt du, wovon ich spreche.“
„Wenn Mama nichts dagegen hat, könnte ich ja heute bei euch schlafen, dann probieren wir das mal aus, ja?“
„Meinetwegen!“, stimmt Oma zu.
„Friedrichstraße“, sagt der Omnibusfahrer durch das Mikrofon und Oma und Jonathan erheben sich schnell von ihren Plätzen. Sie müssen hier aussteigen und dann noch ein Stückchen laufen, bis sie zu Hause sind. Als sie um die Ecke kommen, sehen sie das Blaulicht eines Krankenwagens, er parkt direkt vorm Haus, in dem Jonathan mit seinen Eltern und Großeltern wohnt.
„Oh Gott, da ist doch hoffentlich nichts passiert!“, ruft Oma und beschleunigt ihren Schritt. Jonathan kann gar nicht so schnell hinterher kommen.
Als sie das Haus fast erreicht haben, sehen sie, dass die Sanitäter jemanden aus dem Haus tragen. Papa und Mama kommen auch gerade aus der Haustür. Als sie Jonathan sehen, kommt Papa und nimmt Jonathan an die Hand.
„Die Nachbarin ist gestürzt, es war plötzlich so glatt hier vorm Haus. Wahrscheinlich hat sie ein Bein gebrochen, ist sicher nicht so schlimm. Sei vorsichtig auf der Treppe, ich nehme Oma in den Arm, damit sie nicht auch noch hinfällt. Komm, Mutter, wir gehen zusammen“, er hakt seine Mutter unter und gemeinsam gehen sie ins Haus. Die Nachbarin ist längst im Krankenwagen, der kurze Zeit darauf mit lautem Tatü-Tata abfährt.
„Ach Heinz, wie froh ich bin, dass dir nichts passiert ist“, sagt Oma, als sie bei Opa im Wohnzimmer angekommen ist.
„Und ich erstmal“, ruft Jonathan. „Ich schlafe nämlich heute bei dir!“
Die Erwachsenen lachen und kommen gar nicht auf die Idee, es dem Jungen zu verbieten. Alle sind froh, dass sie heil und gesund beisammen sein können.
Am Abend ruft Oma im Krankenhaus an und erfährt, dass sich Frau Schröder ein Bein gebrochen hat. Es ist ein glatter Bruch und es wird schnell verheilen.
„Gott sei Dank!“, sagt Oma und Jonathan ist der gleichen Meinung. Da hat der liebe Gott gut aufgepasst.

© Regina Meier zu Verl