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Als der kleine Wintergeist die kranke Mia besuchte

Endlich hat es geschneit. Fröhlich toben die Kinder draußen im Schnee, werfen Schneebälle, schlittern um die Wette und bauen einen großen Schneemann. Nur Mia sieht traurig aus dem Fenster. Zu gerne würde sie bei ihren Freunden sein, doch sie hat eine schwere Grippe gehabt und darf noch nicht ins Freie.
„Du musst noch ein paar Tage warten“, sagt Mama. „Sei vernünftig!”
„Vielleicht schmilzt der schöne Schnee schnell wieder weg“, jammert Mia und drückt ihre Nase an der Fensterscheibe platt.
Wenn sie doch nur ein Viertelstündchen nach draußen gehen dürfte! Mia seufzt.
„Nicht traurig sein, kleine Mia“, lispelt da ein Stimmchen.
Erschrocken sieht sich Mia um. „Wer bist du? Und wo bist du?“
„Hihi“, kichert es. „Du siehst mich nicht! Bin nur ein Wicht. Besuche im Winter die kranken Kinder als Wintertrostgeist. Damit du es weißt.”
„Ein Wintertrostgeist?“, staunt Mia. „Noch nie habe ich von dir gehört.“
„Du warst noch nie im Schneewinter krank.“
Mia nickt. „Stimmt. Es liegt so selten Schnee. Und ausgerechnet da bin ich nun krank.“
Das Stimmchen kichert wieder. „Deshalb bin ich ja hier.”
„Wenn du ein Geist bist, so zaubere, dass ich schnell gesund werde!“, bittet Mia.
„Ich bin kein Arzt“, grunzt das Stimmchen. “Na ja, höchstens ein Seelendoktor vielleicht.”
“Und was macht ein Seelendoktor?”, fragt Mia.
“Trösten. Was sonst?”
Der unsichtbare Geist kichert wieder, ein kleines Licht blinkt und Mias Fenster ist plötzlich ein Eisblumenbild, das im Licht der Sonne in allen Farben funkelt und glänzt.
“Oh, wie schön!” Mia staunt. “Was ist das?”
“Der Blumengarten der Eiskönigin, und das da …”, wieder blitzt es und ein weißes Schloss mit zwei goldenen Türmen erscheint wie von Geisterhand gemalt auf der Fensterscheibe. “Das ist das Schloss des Winterkönigs. Hier leben wir Wintergeister, wenn wir nicht gerade auf der Erde zu tun haben.”
“Echt?” Mia ist begeistert. “Das ist ja wie im Märchen.”
“Wir sind ein Märchen”, lacht eine andere fremde Stimme, und ein hagerer Mann mit langem Eiszapfenhaar, Schneebart und einem weiß blinkendem Umhang blickt von der Fensterscheibe zu Mia herüber. Neben ihm sitzt eine Prinzessin mit langen Schneeflockenlocken, die im Licht der Sonne golden glänzen. Sie lächelt.
“Hallo”, flüstert Mia andächtig. “Toll, dass ihr mich besuchen kommt.”
Die Schneeprinzessin lächelt wieder und der Mann, der kein anderer als der Schneekönig ist, winkt Mia zu.
Da purzeln viele kleine Schneesternchen von seinem Umhang herab in Mias Zimmer.
“Jedes Sternchen”, sagt der Schneekönig, “schenkt dir einen Wintertraum. Nun schlafe dich gesund, kleine Mia. Bald werden wir uns wieder sehen.”
“Danke”, ruft Mia. “Aber warum wollt ihr schon gehen, ich …”
Doch da ist das Fenster wieder blitzblank. Draußen dämmert es, die spielenden Kinder sind verschwunden, auch der Wintertrostgeist scheint nicht mehr da zu sein.
Mia reibt sich verwundert die Augen. Hat sie das eben nur geträumt? Schade. Oder doch nicht? Mia lächelt.
“Ein schöner Wintertag ist das”, murmelt sie. “Danke, Wintertrostgeist!”

© Elke Bräunling

Hier findest du eine Fantasiereise vom Wintergeist und seiner Eiskunst: