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Die bunte Spur im Schnee
Eine Wintererzählung für „Abenteurer“, nicht nur zur Fastnachtszeit

„Nanu?“, fragte der verwegene Cowboy. „Was ist das denn für eine Spur?“
Er deutete mit seinem Colt auf die vielen kleinen bunten Pünktchen, die in einer Zickzacklinie über die verschneite Wiese zum Waldrand führten.
„Eine gefährliche Sache, würde ich meinen.“ Er runzelte die Stirn.
Sein Kumpane, der Indianer mit der Silberbüchse, beugte sich über die seltsame Spur, untersuchte sie, roch sogar daran. Dann nickte er.
„Ich schätze, wir haben es mit einem gefährlichen Feind zu tun.“
Vorsichtig sah er sich um. „Wie ich das so lese“, wieder blickte er auf die Spur mit den bunten Pünktchen, „könnte das Dorf in Gefahr sein. Ein Fall für unseren Sheriff.“
Der Cowboy nickte. „Unbedingt. Für zwei Mann ist das Ding zu gefährlich.“
Er wandte sich den Häusern zu. „Hey, Sheriff, dein Typ ist gefragt. Hier riecht es nach Gefahr.“
„Ich komme!“, tönte die Stimme des Sheriffs zurück. „Muss nur noch meinen Mustang satteln.“
Ein wildes Geschrei, unterbrochen von lautem Gebelle, ertönte.
„Du bleibst“, forderte eine Frauenstimme. „Ich bin noch nicht fertig mit dir.“
„Ich bestimme hier! Ich bin schließlich der Sheriff!“ Eine Tür knallte zu, dann kam der Sheriff durch den Schnee gestapft. Den Mustang, der sich heftig sträubte, zog er an einer Leine hinter sich her.
Der Cowboy und der Indianer grinsten ihm entgegen.
„Kein guter Tag heute?“, fragte der Cowboy.
„Macht die große Squaw Ärger?“, erkundigte sich der Indianer.
„Wau wuff“, meckerte der Mustang.
Der Sheriff brummte etwas, das wie „blöde Weiber“ klang, setzte eine ernste Miene auf und fragte barsch:
„Wo ist die Gefahr, Männer?“
„Hier!“ Der Cowboy deutete auf die Spur im Schnee.
„Au Backe!“ Der Sheriff starrte zum Wald hinüber. „Schätze, wir müssen die Stadt beschützen und uns dem Feind stellen. Seid ihr bereit, Männer?“
Der Cowboy und der Indianer nickten. „Klaro, Boss!“, sagte der Cowboy mit fester Stimme, während der Indianer bereits der Spur zum Wald hin folgte.
Ein mühseliger, schwerer, weiter Marsch begann für die drei Helden. Er ging über Stock und Stein, durch Wälder und Schneesteppen weit und weiter in die Einsamkeit des Wilden Westens. Viele Stunden lang. Na ja, sagen wir besser: Viele Minuten lang.
Endlich gelangten sie zur großen Wolfshöhle, einem unheimlichen Ort. Die bunten Punkte führten direkt in den finsteren Höhlenschlund.
Die drei Helden machten Halt, sahen sich an und nickten einander zu.
„Stellen wir uns dem Feind!“, flüsterte der Cowboy.
„Beim Geist des großen Manitou“, nickte der Indianer.
„Für unser Volk!“, rief der Sheriff und zog energisch an der Leine des sich noch immer sträubenden Mustangs. Der hatte die Nase voll von diesem Spiel, riss sich los und rannte bellend und mit dem Schwanz wedelnd in die Höhle.
„Hey, Bobby! Sitz! Platz!“
Wütend zog der Sheriff seinen Colt, dann folgten die drei Retter dem Mustang, der eigentlich ein Dackel war, in die Höhle. Dort sahen sie Bobby, der stürmisch an zwei Squaws, die eine große Tüte mit Konfetti bei sich trugen, hochsprang.
„Na, ihr Greenhorns!“, lachten die Squaws Maja und Anika, die eigentlich Klassenkameradinnen von Jan, dem Cowboy, Carlo, dem Indianer und Andreas, dem Sheriff waren und mit den drei Helden in die gleiche Klasse gingen. „Das hat aber lange gedauert dieses Mal. So gewinnt ihr den Wettkampf im Fährtenlesen morgen nie.“

© Elke Bräunling

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