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Lena und die frühen Weihnachtsgeschenke

„Ich habe eine Überraschung für euch“, sagte Lena eines Sonntagnachmittages, als sich die ganze Familie mit Mama, Papa, Sara, Felix, Oma, Opa, Tante Eva und Onkel Kurt zu Kaffee und Kuchen versammelt hatte. „Ihr werdet staunen. Wartet!“
Sie rannte aus dem Zimmer, und als sie zurückkehrte, mussten sich erst einmal alle die Augen zuhalten.
„Nicht gucken!“, befahl Lena und dann ging sie um den Tisch und legte für jeden etwas neben den Kuchenteller. Es raschelte verräterisch und es fiel allen schwer, nicht durch die Finger zu spitzeln. Es war, als ob Lena für jeden ein Geschenkpäckchen vorbereitet hatte, und das fühlte sich fast ein bisschen an wie Weihnachten.
„Das sind meine Weihnachtsgeschenke für euch“, sagte Lena da auch schon. „Ihr sollt sie heute schon haben, damit wir alle zufrieden sind.“
„Zufrieden?“, fragte Papa. „Aber das sind wir doch sowieso, auch ganz ohne Geschenke.“
„Und Weihnachten ist noch lange hin“, meinte Tante Eva. „Noch über zwei Monate, wenn ich richtig rechne.“
„Klar“, antwortete Lena. „Aber Lebkuchen, Plätzchen und Schokoladenweihnachtsmänner gibt es schon jetzt zu kaufen. Warum kann ich euch dann nicht auch schon jetzt meine Geschenke geben?“ Sie schob die Lippe trotzig nach oben. „Das ist nämlich sehr praktisch.“
„Praktisch?“, fragte Oma.
Lena nickte. „Und wie!“, sagte sie. „Nun kann ich nämlich den Herbst und die Adventszeit voll toll genießen, ohne immer an die Weihnachtsgeschenke denken zu müssen und ohne dauernd deswegen ein schlechtes Gewissen zu haben.“
Erst sagten Mama, Papa, Sara, Felix, Oma, Opa, Tante Eva und Onkel Kurt da einmal nichts. Dann aber fingen sie alle an zu lachen, weil sie Lenas Idee so lustig fanden. Und Lena lachte mit. Sollten Sie doch alle lachen. Sie jedenfalls hatte nun keinen Stress mit den Geschenken mehr. Sie nicht. Haha!
Sie lachte auch, als der Geschenkestress für ihre Familie ein paar Wochen dann wirklich kam. Es fühlte sich wunderfein an, allen beim Grübeln und Suchen, beim Basteln und Verpacken, beim Einkaufen und Stressen und Freuen zuzusehen. Toll und langweilig. Irgendwie gehörte all das mit den Geschenken nämlich zum Advent dazu. Es fehlte etwas, wenn man damit nichts zu tun hatte.
So dauerte es dann nicht lange, bis auch Lena wieder damit anfing, sich Geschenke für alle, für Mama, Papa, Sara, Felix, Oma, Opa, Tante Eva und Onkel Kurt auszudenken. Weil es zum Advent gehörte und weil es Spaß machte. Außerdem konnte man nie genug Geschenke haben … und geschenkt bekommen.

© Elke Bräunling

Diese Geschichte findest du in dem neuen Buch: Omas Wintergeschichten


Taschenbuch: Omas Wintergeschichten: Wintergeschichten und Märchen für Kinder
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