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Der kleine Stern und das helle Dunkel

„Warum ist es in dem Land dort unten dunkel?“, fragte der kleine Stern.
„Winter ist dort. Ganz einfach“, brummte Petronius, der Sternenmaler.
„Winter? Was ist das?“ Mit großen Sternenaugen starrte der kleine Stern den alten Himmelsmann an. „Ist das etwas Schlimmes?“
„Nein“, sagte Petronius. „Nichts Schlimmes. Winter ist ein Teil des Erdenlaufes. Er gehört zum Jahr. Die Menschen, so höre ich es aber leider immer wieder, bevorzugen jedoch die helleren, wärmeren Monate. Den Winter mögen sie am wenigsten gut leiden.“
Der kleine Stern nickte. Er erinnerte sich. Irgendwie ist ihm dies in den letzten Tagen und Wochen auch immer wieder einmal zu Ohren gekommen, wenn er unterwegs war und Menschengespräche belauschte. Es hatte ihn ein bisschen traurig gemacht, dass die Menschen, ganz besonders auch die Kinder, das Dunkel mieden und sich die helleren Tage mit den kurzen Nächten herbeisehnten. Das war schade, waren die dunklen Zeiten des Tages doch seine liebsten, hellsten. Wann auch sonst sollte er sein strahlendes Sternenkleid zeigen, wenn nicht an den dunklen Abenden und in den Nächten? Was aber, wenn die Menschen ihn dann nicht sahen? Schien es doch, als würden sie das Dunkel meiden und ins Licht der Häuser fliehen.
„Wie sollen sie mich sehen, wenn sie nicht zu mir in den Himmel hinauf blicken? Oh, das ist nicht gut. Ich fürchte, ich werde den Winter auch nicht mehr leiden mögen“, murmelte er. „Es sei denn …“
Der kleine Stern hatte eine Idee. Wenn sie nicht zu ihm herauf schauten, weil sie an dunklen Momenten des Tages nicht draußen unterwegs waren, so musste er zu ihnen hinunter gehen. Vor ihre Fenster würde er sich setzen und sein Licht in ihre Häuser hinein strahlen. Hell würden sie es haben und zu ihm heraus würden sie blicken und … Ja, das wäre fein. Der kleine Stern lachte hellauf.
„Genau so werde ich es machen. Ich bringe ihnen das helle Dunkel. Freuen werden sie sich alle. Und ich, ich freue mich auch.“

© Elke Bräunling