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Als sich die Adventskerze nicht mehr wehrte

Nein. Die honiggelbe Kerze wollte nicht brennen. Sie wehrte sich so sehr, dass ihr Docht das Feuer nicht anzunehmen vermochte.
„Au!“, schrie eine Männerstimme, als das Streichholz abgebrannt war. „Ich habe mich verbrannt.“
Ein zweites Streichholz zischte auf und wieder näherte sich eine Feuerflamme der Kerze.
„Nein“, trotzte die Kerze. „Ich bin honiggelb und will es auch zu bleiben.“
All ihre Kraft musste sie sammeln, um der Flamme zu widerstehen, bis auch das zweite Streichholz abgebrannt war und die Männerstimme wieder „Aua!“ und „Blöde Kerze!“ rief. Sie klang nun verärgert, die Stimme.
Wieder flammte ein Streichholz auf, doch wie durch ein Wunder brannte die Kerze nicht. Auch nicht beim vierten, fünften, sechsten und siebten Streichholz. Kein Adventslicht erhellte den Raum.
Die Kerze freute sich. Selbst als eine Kinderstimme traurig „Nun haben wir einen Adventskranz mit nur drei Kerzen“, sagte, gab sie nicht nach. Sie würde nicht brennen. Nein und nein!
„Diese Kerze taugt nichts. Wir werden sie durch eine neue ersetzen“, sagte die Männerstimme, die vorhin „Aua“ und „Blöde Kerze“ gerufen hatte.
Ehe sich die Kerze versah, wurde sie grob aus dem Adventskranz gerissen und aus dem Fenster geworfen. Sie landete auf der Straße vor der Nase von Hund Carlo, der auf der Suche nach etwas Essbarem unterwegs war.
Carlo zögerte nicht lange. Er roch an der Kerze, hob sie auf und machte sich auf den Weg in die Laubenkolonnie. Dort saß Herr Franke, der vor einem Jahr seine Arbeit verloren hatte, grübelnd und sehr alleine in einem kleinen Gartenhäuschen im Dämmerlicht.
„Oh, was für eine Überraschung!“, rief er, als Carlo die Hütte betrat, und seine traurigen Augen fingen an zu strahlen. „Danke, Carlo!“ Er streichelte vorsichtig über die Kerze und flüsterte: „Danke, kleine Kerze.“ Dann zündete er mit zittrigen Fingern ein Streichholz an. Zisch!!!
Zisch? Die Kerze erschrak. Aber jetzt mochte sie sich nicht mehr wehren. Zu sehr freute sie sich über das glückliche Gesicht des armen Mannes. Zisch – nahm ihr Docht die Flamme an. Ein kleines sanftes Licht erhellte nun die schäbige Hütte und das leise Lächeln des Mannes, der in das Kerzenlicht blickte.
„Siehst du, Carlo“, sagte Herr Franke, während er den Hund kraulte, „nun ist auch zu uns der Advent ein bisschen näher gekommen. Es gibt sie noch, die kleinen Wunder.“

© Elke Bräunling