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Florians einziger Wunsch

Florian und Mama machten sich Sorgen um Opa. Der hatte nämlich irgendwann in diesem Sommer das Lachen verloren. Nicht mal mehr lächeln wollte er und am liebsten war er alleine. Stundenlang spazierte er durch die Felder und Weinberge, manchmal auch hinauf in den Wald, und dann machten sich alle noch mehr Sorgen. Manchmal begleitete Florian ihn, doch diese Spaziergänge waren auch anders geworden. Früher hatten sie viel Spaß miteinander gehabt und dieses Früher möchte Florian wieder haben. Das wünschte er sich mehr als alles andere. Aber alleine würde er es nicht schaffen, den traurigen Opa in einen fröhlichen Opa zu verwandeln. Ein Zauberer musste her oder ein Wunder oder … ja, oder der Weihnachtsmann. Wer, wenn nicht er, würde helfen können? Zum Glück ging der Herbst seinem Ende zu und bald begann die Weihnachtszeit.
„Es kann nichts schaden, wenn ich dem Weihnachtsmann rechtzeitig Bescheid gebe“, sagte Florian und früh wie nie schrieb er seinen Wunschzettel.
Es war ein schöner Wunschzettel mit vielen kleinen Bildern und bunten Buchstaben. Und es waren viele Wunschzettel. Damit die Sache mit seiner Bitte auch wirklich nicht schief ging, schrieb er nämlich gleich fünf Wunschzettel. Schön sahen die aus mit den vielen verschiedenen bunten Bildern und dem einen Wunsch:
„Bitte an den Weihnachtsmann!“ ,stand da in Großbuchstaben geschrieben. „Ich wünsche mir zu Weihnachten, dass Opa wieder so ist wie früher und dass er wieder mit mir Spaß macht und lacht. Sonst habe ich keine Wünsche. Viele Grüße, dein Florian.“
Einen Wunschzettel legte er am Abend aufs Fensterbrett, so wie er es in den letzten Jahren auch getan hatte. Die anderen vier verteilte er überall dort, wo sie der Weihnachtsmann 🎅 auch sehen könnte: einen auf den Küchentisch, einen anderen auf Mamas Bett, den nächsten neben das Telefon und den letzten draußen im Garten auf der Mauer neben dem Eingangstor. Alles gute Plätze, wie Florian fand. Es musste mit dem Teufel zugehen, wenn der Weihnachtsmann ihn übersehen würde.
Und der Weihnachtsmann sah ihn, den einzigen, großen Wunsch von Florian. Und Opa sah ihn auch. Gleich fünf Mal. Und fünf Mal erschrak er sehr. Sogleich stellte er, Opa, nicht der Weihnachtsmann, sich vor den großen Garderobenspiegel und übte das Lächeln. Dass er das hatte verlieren können! Tss! Nein, so etwas aber auch! Kein Kummer der Welt verdiente es, dass man darüber das Lachen ganz vergaß. Er musste auch gar nicht lange üben, und schon schlichen sich die Lachfältchen auf sein Gesicht zurück. Und die blieben da auch, die ganze Adventszeit lang und danach auch. Und der Weihnachtsmann, der musste sich ein anderes Geschenk für Florian überlegen. Oder besser zwei oder drei.

© Elke Bräunling