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Das Licht der Weihnachtskugel

Mitten auf dem nächtlichen Marktplatz lag eine kleine Kugel. Es war eine Christbaumkugel. Was hatte die hier verloren?
Ein Hund, der beim Gassigang seinem Herrchen entwischt war und über den Platz streunerte, schnupperte an der Kugel. Hm. Das Ding war nichts zum Essen. Langweilig. Der Hund trollte sich. Beinahe hätte er noch das Bein über der Kugel gehoben, aber nur beinahe.
Ein alter Mann kam vorbei. Er war auf der Suche nach einem Schlafplatz. Das war nicht leicht, denn es war bitterkalt. Er steuerte den Eingang der Kirche an, als er plötzlich die Kugel entdeckte.
„Na, du schimmerst ja wie ein edler Schatz! Wunderschön bist du!“, sagte er. Vorsichtig ergriff er die kleine Kugel und nahm sie mit. 
Mehr als zuvor schimmerte und glimmerte diese nun. Es war, als hielte der Alte einen kostbaren Schatz in den Händen.
„Oh! Was haben Sie denn da?“ Eine Dame, die aus dem Kirchenportal trat, blieb stehen. Sie beugte sich über die strahlende Kugel.
„Für Sie!“, sagte der Alte und reichte der Frau die Kugel.
Die zögerte. „Ich nehme sie nur, wenn ich Ihnen auch eine Freude machen darf!“, erwiderte sie schließlich.
„Es ist schon gut.“ Der Mann nickte und ging seines Weges.
„Aber … aber das geht so nicht.“ Die Frau war entsetzt. „Ich muss mich doch revanchieren können. Man schenkt sich nichts … einfach so!“ Und die Kugel in ihrer Hand schimmerte in einem warmen Licht, als wolle sie ihr widersprechen.
Da der Alte aber war längst weiter gegangen war und sie nahm die Kugel mit nach Hause. Dort wartete ihr Mann auf sie. Er war krank und sie hatte für ihn in der Kirche eine Kerze angesteckt.
„Schau, was ich habe!“, sagte die Frau. „Sie ist ein Geschenk.“
Die Augen ihres Mannes leuchteten auf. „Oh, du bringst mir ein Licht! Wie sehr freut mich dies!“ Der Mann lächelte und die Kugel strahlte hell wie nie zuvor.
Da hängte die Frau die Kugel ans Fenster, damit alle sie sehen und sich in dieser dunklen Jahreszeit ein bisschen am Glanz ihres Lichts erfreuen konnten. Und das war gut so.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl