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Sternchenmorgen

Eines Morgens im Advent hatte die dicke Wolke für ein paar Minuten ihre Wolkenpforten geöffnet und den ersten Schneeflocken für dieses Jahr den Weg frei gemacht. Es waren nicht viele, doch die legten sich wie kleine, funkelnde Schmucksteinchen überall in der Stadt auf Dächer, Zäune, Autos, Straßen, Fensterbretter, Hundeköpfe und Menschennasen. Auch bis zum Fenster der Bäckerei Hansrudi Egon hatten einige von ihnen ihren Weg gefunden. Sanft legten sie sich aufs Fensterbrett, das mit Tannenzweigen, Kerzen und goldenen Sternchen geschmückt war.
Die kleinste Schneeflocke hatte ihren Platz auf dem kleinsten Sternchen gefunden.
„Hallo!“, sagte sie. „Wie schön du bist. Darf ich ein Weilchen bei dir bleiben?“
„Ja, gerne. Ich freue mich über Besuch“, antwortete das Sternchen. „Du bist schön. Ja, irgendwie ähnelst du meinen Sternenkollegen und mir. Und doch bist du anders. Sag, wer bist du und woher kommst du?“
Das Schneeflöckchen kuschelte sich ein bisschen enger an das Sternchen. Es freute sich über die Worte des kleinen Sterns.
„Ich bin Schneeflöckchen und komme vom Himmel. Die dicke Wolke hat mich mit meinen Kameraden zu euch geschickt. Die Stadt sollen wir ein bisschen heller machen, hat sie gesagt“, erzählte Schneeflöckchen.
„Oh“, freute sich das Sternchen. „Das trifft sich gut. Weißt du, woher ich komme? Nein, das errätst du nicht. Ich bin nämlich auch ein Himmelskind wie du. Und rate, was meine Aufgabe hier ist!“
Darüber musste das Schneeflöckchen nicht lange nachdenken.
„Ich glaube, wir sind mit der gleichen Aufgabe hierher gekommen“, antwortete es. „Du sollst auch die Stadt etwas heller machen. Stimmt’s?“
Das Sternchen nickte. „Richtig geraten. In dieser Zeit, so sagte es uns die Himmelsfee, soll alles im Land ein bisschen heller sein. Damit die Freude ihren Platz in den Herzen der Menschen findet.“

© Elke Bräunling