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Dezemberdüfte

Es gab schönere, freundlichere Tage im Jahr als dieser nasse, graue Schneeregentag. Aber das nasse Grau fühlte sich besser an, wenn man an das warme, fröhliche Bunt dachte.
„November duftet wie Rauchschinken, Lavendelseife, alte Bücher und Zimt“, sagte Maja daher. „Ich mag ihn und seine Düfte. Er schmeckt auch gut. Wie grüne Bohnen, Erbsensuppe, Ingwerschokolade und Hagenbuttentee.“
„Und der Dezember?“, fragte Vivi. „Wonach riecht der?“
„Lass mich überlegen!“ Maja legte ihr Gesicht in die Hände und dachte nach. Nach einer Weile sagte sie:
„Dezember riecht nach Punsch, gebrannten Mandeln, Spekulatius und Tannennadeln, aber auch nach Schnee und Heimlichkeiten.“
„Schnee und Heimlichkeiten? Wie können denn Schnee und Heimlichkeiten riechen? Das ist doch wieder eines von deinen Märchen!“
Vivi lachte. Diese Maja! Immer hatte sie verrückte Ideen.
„Sie gehören zusammen und doch auch wieder nicht“, versuchte es Maja. „Es ist schwer zu erklären. Man spürt es. Wenn es schneit, fühlt man sich irgendwie ,heimlich’, und das duftet dann nach Kerzen, Vanille, Linzertorte, Schokominztee und Zuckerwatte.“
„Danach duftet Schnee?“
„Nein. Das Heimliche riecht so. Für mich. Für andere riecht es anders.“
„Ach, so ist das.“ Vivi lächelte. „Und wie schmeckt nun der Dezember mit all seinem Schnee und den Heimlichkeiten?“
„Ist doch ganz klar“, sagte Maja und grinste. „Nach Punsch, gebrannten Mandeln, Spekulatius, Vanille, Linzertorte, Schokominztee und Zuckerwatte zusammen. Und natürlich nach Schnee und Heimlichkeiten. Oder was dachtest du?“
„Alles klar. Ich glaube, dass ich es jetzt verstehe! Warte!“ Vivi schloss die Augen und schnupperte. „Und dieser Tag heute, sagt meine Nase, riecht nach Reibeplätzchen mit Apfelmus, für mich und für dich auch, denn Oma steht in der Küche und backt gerade welche. Kommst du mit?“
„Und er schmeckt auch nach Kakao und Apfelkuchen? Stimmt’s?“ Maja jubelt. „Klar, komme ich mit.“
Klar. Wer würde dazu auch ‚nein‘ sagen?

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl