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Die Musik der Adventsfrau

Wenn es von der Straße her bimmelte, konnte dies nur drei Gründe haben: Der Schrotthändler war zum Schrottsammeln unterwegs oder die Gemüsefrau kam mit ihrem Marktwagen. Oder es es kündigte sich die Adventsfrau an, und die liebten die Kinder am meisten. Sie kam irgendwann im November, wenn man noch nicht so sehr an Advent und Weihnachten dachte, und schwang ihre dicke, alte Bronzeglocke. Die klang wie Musik. Eine freudig feine Musik voller Verheißungen und Geheimnisse und die Aufregung wuchs.
„Bald ist es wieder soweit!“, hörte man es überall rufen und wie auf Befehl fingen die Menschen nicht nur an, sich zu freuen, sondern auch zu beeilen und zu stressen. Es gab ja nun so viele Dinge zu tun! Wie sollte man das je schaffen? Bei all dieser Eile konnte man leicht vergessen, was den Zauber der Weihnacht ausmachte.
Die Adventsfrau lächelte nur und murmelte:
„Ruhe! Nichts soll sie aus der Ruhe bringen. Es ist das Fest der feierlichen Stille, das sie in diesen schnellen Adventstagen vorbereiten, und eine feierliche Stille verlangt ebendiese. Dafür gilt es zu sorgen.“
Und das tat sie dann auch. Des Nachts, wenn alle schliefen, zog sie eine silberne Flöte aus ihrem Gewand hervor und begann zu spielen. Mit den wundersamen Melodien legte sich die Ruhe wie eine seidene Decke über die Menschen. Tief schliefen sie und träumten und sie fühlten sich an den Tagen danach ruhig und voller andächtiger Vorfreude.
„So muss es sein“, murmelte die Adventsfrau dann mit einem leisen Lächeln. „Genau so.“
Das waren dann auch jene Tage, an denen man so etwas wie eine leise, verborgene Musik von irgendwo her zu hören glaubte, die die Seelen wärmte und die Herzen ein kleines Bisschen höher schlagen ließ. Tage, die gute Gedanken hervorbrachten und die Stille liebkosten.
Wenn du ganz still bist und lauschst, dann hörst auch du diese Musik. Freue dich, denn die Adventsfrau wird nun auch dich im Schlaf mit ihren Weisen verzaubern. Psst!

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl