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Oma Krüger und der Weihnachtself

Als Oma Krüger eines Abends aus dem Fenster blickte, sah sie einen Weihnachtself. Es stand unten auf der Straße und winkte zu ihr herauf.
„Huch!“ Voller Schreck rieb sie sich die Augen. Träumte sie dies oder spielte die Fantasie ihr einen Streich? Ach, vielleicht war es ja auch nur ein Weihnachtszwerg. Das war in Ordnung. Mit Zwergen kannte sie sich aus. Wieder starrte sie auf die Straße hinaus.
In der Tat. Es war ein Elf und kein Zwerg und dieser Elf zwinkerte ihr zu. Sie sah es genau. Ganz genau.
„Meinst du mich, Herr Elf?“, fragte Oma Krüger vorsichtig.
Der Elf nickte und zwinkerte.
„Ich bin schon lange kein Kind mehr“, sagte Oma Krüger. „Die Kinder solltest du besuchen, gerade in dieser Zeit vor dem Fest. Ich habe mein Leben gelebt. Abenteuer und Märchen finden nur noch in meinem alten Kopf statt.“
Der Elf nickte wieder. Er lächelte, holte eine silberne Flöte aus seiner Tasche und spielte. Bridge over troubled water. Schön klang das. Schön verrückt.
Oma Krüger musste lachen.
„Du bist genau so verrückt wie ich alte Frau, du Elf!“, rief sie.
„Und du bist nicht alt!“, antwortete der Elf. „Auch wenn dein Körper … und deine Umwelt … dir etwas anderes sagen.“
„Oh nein. Ganz gewiss werden sie sagen, ich sei verrückt, wenn ich ihnen von deinem Besuch erzähle.“ Oma Krüger kicherte. „Das sagen sie immer, wenn sie die Dinge nicht begreifen.“
„Ja. Ja. Verrückt! Das ist eines der Worte, die nur ihr Menschen kennt. Das nenne ich verrückt. Hoho! Aber nun muss ich weiter. Ich wünsche dir eine gute Zeit und ein frohes Fest.“
Der Elf verneigte sich und im nächsten Moment war er verschwunden.
Oma Krüger blinzelte. Dann schüttelte sie verwirrt den Kopf. Hatte sie sich diese Begegnung nur eingebildet? Nein, den freundlichen Weihnachtself hatte sie genau so wirklich gesehen wie im letzten Jahr das Einhorn mit den Silberglöckchen und im Jahr davor den Mitternachtstanz der Rentiere. In der Weihnachtszeit war schließlich alles möglich.

© Elke Bräunling