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Hilfe vom Weihnachtsmann

Der Weihnachtsmann hatte eine lange Wunschliste vor sich liegen. Natürlich konnte er nicht die komplette Liste abarbeiten. Die meisten Wünsche gab er an seine Gehilfen ab, aber er schaute jeden Eintrag an und wenn ein Wunsch besonders außergewöhnlich war, dann kümmerte er sich höchstpersönlich darum.
„Ich wünsche mir eine Spülmaschine!“, stand da geschrieben von der kleinen Melina, die erst acht Jahre alt war.
„Hm“, machte der Weihnachtsmann und strich über seinen weißen Bart. „Wieso wünscht sie sich ein Küchengerät? Das braucht sie doch nicht, wenn sie erst acht Jahre alt ist!“
Er wollte der Sache auf den Grund gehen und beschloss zu Melina zu reisen, um mal zu schauen wie sie lebte und was es mit der Spülmaschine auf sich hatte. Er steckte zwei Finger in den Mund und ließ einen gellenden Pfiff ertönen. Es dauerte nur ein paar Sekunden bis seine Rentiere vor ihm standen.
„Wir reisen zu Melina, heute Nacht noch!“, verkündete der Weihnachtsmann. Ich brauche nur zwei von euch heute, wir haben kein Gepäck! Macht unter euch aus, wer mich heute fährt!“
Sofort ging ein Gerangel zwischen den fünf Tieren los. Jedes wollte zur Erde reisen. Das älteste von ihnen gebot Einhalt. „Wenn ihr es nicht schafft, euch zu einigen, dann bestimme ich, wer heute dran ist!“ Ruhe kehrte ein.
„Mach doch! Das ist sowieso besser!“, riefen alle gemeinsam.
„Also gut: Dann reisen heute Rudolph und Donner!“
„Immer Rudolph, das ist ungerecht!“, jammerten die anderen.
„Er führt uns, das wisst ihr doch und nun gebt Ruhe!“
Zehn Minuten später waren der Weihnachtsmann und die beiden Rentiere zur Abreise bereit. Sie flogen durch den Nachthimmel und waren schon bald bei dem Haus angekommen, in dem die kleine Melina wohnte. Der Weihnachtsmann stieg vom Schlitten und schaute durch das erste Fenster. Dort saßen die Eltern der Kleinen. Sie hatten sich in dicke Decken gehüllt. Sicher war es kalt im Zimmer. Der Vater las und die Mutter strickte. Es gab sogar einen Kamin, aber es prasselte kein lustiges Feuer darin.
„Komisch“, dachte der Weihnachtsmann. „Sie frieren, aber sie machen kein Feuer!“
Die Mutter legte ihr Strickzeug zur Seite und schaute zum Fenster.
„Hast du auch etwas gehört?“, fragte sie ihren Mann.
Der Weihnachtsmann versteckte sich schnell. Er wollte nicht entdeckt werden, denn dann würde er ja nichts über Melina und ihren Wunsch erfahren.
„Nein, habe ich nicht. Das war sicher der Wind. Es ist recht kalt und windig heute Abend“, antwortete der Vater und las weiter.
„Hast du gelesen, was Melina auf ihren Wunschzettel geschrieben hat?“, fragte die Mutter jetzt.
„Nein, habe ich nicht. Der war schon abgeholt, als ich daran gedacht habe!“
„Ging mir auch so!“, gab die Mutter zu.
„Was könnte sie sich denn wünschen? Hast du eine Idee?“ Der Vater legte sein Buch zur Seite und nahm einen Schluck Tee.
„Sicher hat sie viele Wünsche, aber sie weiß auch, dass wir arm sind und nichts kaufen können. Deshalb stricke ich diesen Pullover für sie“, die Mutter hob ihr Strickzeug an und zeigte es ihrem Mann.
„Das ist schön, aber es ist kein besonders spannendes Geschenk. Wir sollten überlegen, ob wir nicht doch noch etwas finden, womit wir ihr eine Freude machen können.“
„In der Kindersuppenküche bekommen sie sicher auch wieder ein Geschenk. Sie geht so gern dorthin und spielt mit den anderen Kindern. Die sind auch arm und prahlen nicht mit ihren tollen Spielsachen wie die Kinder in der Schule“, erzählte die Mutter.
„Das ist eine tolle Einrichtung, ich bin froh, dass Melina dort jeden Tag ihre warme Mahlzeit bekommt. Wenn ich wieder Arbeit habe, dann werden wir die Suppenküche unterstützen …“ Der Vater nahm sein Buch wieder auf und las weiter. Die Mutter schwieg. Sie hatte die Hoffnung auf eine Arbeitsstelle aufgegeben und machte sich große Sorgen, wie es weitergehen könnte.
Nun ahnte der Weihnachtsmann, wofür Melina eine Spülmaschine brauchte. Sie wollte den Helfern in der Suppenküche die Arbeit erleichtern. ‚Sie wird ihren Wunsch erfüllt bekommen und der Vater wird mir dabei helfen!’, beschloss er. Dann stapfte er durch den Schnee zur Haustür und drückte auf die Klingel.
Der Vater öffnete und erschrak.
„Keine Angst, ich bin es nur, der Weihnachtsmann!“
„Willkommen, kommen Sie doch herein, Herr Weihnachtsmann!“, er öffnete die Tür weit und ließ den Mann im roten Mantel eintreten. Ein bisschen seltsam fand er das, aber er war ein höflicher Mensch.
„Kommen wir gleich zur Sache“, sagte der Weihnachtsmann. „Ich suche einen Helfer, der mir ein paar Geschenke ausliefert. Es ist keine leichte Arbeit, aber ich bezahle gut. Wäre das was für dich, mein Sohn?“, fragte er.
„Aber klar, ich bin kräftig und kann arbeiten“, versicherte der Vater und die Mutter strahlte übers ganze Gesicht. „Und ich kann auch helfen!“, rief sie.
Die drei wurden sich schnell einig, nachdem die Eltern erfahren hatten, wie es dazu gekommen war, dass der Weihnachtsmann sich über sie erkundigen wollte.
„Eure Tochter wünscht sich einen Geschirrspüler!“, verriet er und die Eltern riefen wie aus einem Mund: „Für die Suppenküche!“
„Das scheint ja so zu sein. Erfüllen wir ihren Wunsch. Ich werde in den nächsten Tagen die Maschine bringen lassen und auch ein paar Geschenke für die Kinder, die sich dort täglich einfinden. Und für euch gibt es eine Ladung Feuerholz, damit ihr es zu Weihnachten schön warm habt!“
Der Weihnachtsmann verabschiedete sich, nachdem die Eltern der kleinen Melina ihn dankbar umarmt hatten.
In den Tagen vor dem Fest hatte Melinas Vater dann jede Menge zu tun. Er lieferte den Geschirrspüler aus und schloss ihn auch an, damit die Helfer der Suppenküche ihn gleich nutzen konnten.
Die Mutter verpackte jede Menge Geschenke für die Kinder und an jedes Geschenk hängte sie einen goldenen Stern.
Viele glückliche Gesichter konnte man am Heiligen Abend sehen, als man sich zur Weihnachtsfeier mit allen Eltern, Kindern und Helfern versammelt hatte. Als Melina mit ihren Eltern nach Hause kam, da prasselte im Kamin ein lustiges Feuer.
„Heute kam der Weihnachtsmann“, sang der Vater und seine beiden Frauen stimmten ein: „Kam mit seinen Gaben!“

© Regina Meier zu Verl