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Mia und die Nikolausüberraschung

Morgen ist Nikolaustag. Mia hat ihre Stiefel blank geputzt und am Abend vor ihre Tür gestellt, damit der Nikolaus sie mit Geschenken füllen kann. Weil sie noch nicht einschlafen kann, blättert sie in einem Bilderbuch.
Komisch, denkt Mia. Hier sind die Nikolausgeschenke in Strümpfe verpackt. Das ist einfacher. Man muss die Schuhe vorher nicht putzen. Außerdem hat man viel mehr Strümpfe im Schrank als Stiefel.
“Wie praktisch”, sagt Mia. Sie setzt sich ans Fenster und späht ins Dunkel hinaus. Vielleicht würde sie den Nikolaus ja kommen sehen, doch langsam wird sie müde und ihre Augen fallen zu.
Auf einmal ist es draußen gar nicht mehr dunkel und winterkalt. Die Sonne scheint, und ein lauer Wind säuselt über Mias Kopf.
Toll. Mia läuft durch den warmen Sand in diese fremde, helle Wunderwelt hinaus und blickt sich um. Viel Sand gibt es hier, fremd aussehende Bäume und ein See. Das Schönste aber ist die Wäscheleine, die jemand mitten im Sand aufgestellt hat und die durch das ganze Land gespannt ist. Strümpfe hängen an dieser Leine, nichts als Strümpfe: dunkle und helle, große und kleine, langweilige und bunte, tausend und mehr.
„Hihi!” Mia muss lachen. „Das Land der Strümpfe.“
“Falsch”, sagt eine Stimme, “das ist das Land der Überraschungen.”
“Das ist aber eine Überraschung”, sagt Mia und betrachtet sich den Fremden genauer. Er sieht aus wie der Nikolaus, nur trägt er keine Rute bei sich.
“Warum hängen hier so viele Strümpfe? Und bist du der Nikolaus?”
Der Fremde lacht. “Ich bin ein Helfer des Nikolaus´”, sagt er. “Und das mit den Strümpfen ist eine alte Geschichte.”
“Erzähle!”, bittet Mia. “Vom echten Nikolaus und von diesen Strümpfen da.”
“Einverstanden”, sagt der Nikolaushelfer. Er setzt sich mit Mia in den Sand und erzählt:
„Der echte Nikolaus war ein schrecklich netter Mann. Er lebte vor langer Zeit in Kleinasien, und wann immer er konnte, half er Menschen, denen es nicht gut ging.“
“Fein”, sagt Mia, “aber was hat das mit den Strümpfen zu tun?“
„Das ist eine von vielen Geschichten über Nikolaus. Einmal nämlich hat er einer armen Familie einen Strumpf voller Goldstücke geschenkt. Das war eine wunderbare Überraschung für den armen Familienvater. Nun brauchte er sich nicht mehr um seine Familie zu sorgen! Zum Andenken daran schenkt man sich in vielen Ländern zum Nikolaustag Strümpfe, die mit kleinen Geschenken gefüllt sind.“
„Oder Stiefel”, sagt Mia. Dann geht sie zu der Leine mit den vielen Strümpfen hinüber und betastet die Strumpfpäckchen.
“Such dir eins aus!”, sagt der Fremde.
Das lässt sich Mia nicht zwei Mal sagen. Schnell wählt sie einen Strumpf mit bunten Sternchen aus. Darin findet sie Lebkuchensterne, Nüsse und ein kleiner Schokoladenikolaus.”
“Danke, Nikolaus!”, sagt Mia.
Sie will wieder zu dem Fremden hinübergehen, doch der Boden ist auf einmal so kalt. Mia schüttelt sich und schaut sich um. Sie steht wie durch ein Wunder wieder zu Hause im Flur mit nackten Füßen auf den kalten Bodenfliesen. Das Land der Überraschungen ist verschwunden. Oder doch nicht? Mia schaut auf den Boden. Ein Nikolausstiefel steht vor ihr – und daneben liegt ein Strumpf, gefüllt mit Lebkuchensternen, Nüssen und einen kleinen Schokoladenikolaus.”
Mia lacht. So eine Überraschung. Ob das eben doch kein Traum gewesen war?
© Elke Bräunling

Eine kurze Fassung dieser Geschichte findest du hier: Die Nikolausüberraschung

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aus:
Opas Adventskalender – 31 Adventskalendergeschichten

Taschenbuch: Opas Adventskalender: 31 Adventskalendergeschichten
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