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Der Januar und der Schmutz des alten Jahres

„Hat hier noch keiner aufgeräumt? Wie das hier wieder aussieht!“ Kopfschüttelnd sah sich der junge Januar um. Er traf wie in jedem Jahr, wenn er seine Zeit betrat, im Land Unordnung und Partyreste an. Dinge, die nicht hierher gehörten.
„Das Neue soll sauber beginnen“, murmelte er. „Das wünsche ich mir jedes Jahr aufs Neue und immer treffe ich Schmutz und Abfall an.“
„Ach, lassen Sie doch! Sie verabschieden das alte Jahr mit einem Feuerwerk, das ist doch schön!“, sagte ein älterer Herr, der gerade seinen Bürgersteig kehrte. „Das einzige, was mir daran nicht so sehr gefällt, ist der Lärm.“
„Ein Feuerwerk ist’s, das diese Unordnung verbreitet?“ Der Januar stutzte. Wie sollte das sein?
„Lärm macht nicht schmutzig“, antwortete er schließlich. „Manchmal kann er auch Ausdruck der Freude sein. Was wäre das Leben ohne Freude? … Mit lauten Tönen kann man etwas Neues beginnen, nicht aber mit Schmutz.“ Der Januar seufzte. „Aber so ist es immer. Einer muss für Ordnung sorgen und der bin ich.“
Er lächelte dem Menschen mit dem Kehrbesen zu, klopfte ihm auf die Schulter und sagte: „Weiter machen, Sie Guter! Sie sind mir eine große Hilfe. Weiter machen! Meine Zeit braucht Menschen wie Sie.“
Dann zog er weiter. Die Ordnung wollte er suchen und seine Zeit, in der er sich noch nicht so richtig angekommen fühlte.
Der Herr mit dem Besen hielt inne und sah ihm hinterher. Er schmunzelte. Was für ein komischer Vogel war das denn?
„Typen gibt’s“, murmelte er und setzte seine Arbeit fort.
„Wer war das?“, rief seine Frau ihm zu. Sie war gerade dabei, die Raketenstöcke aus ihrem Vorgarten zu suchen und in einen Müllsack zu verstauen.
Der Mann zuckte mit den Achseln. „Ich kenne ihn nicht, aber er hat sich gefreut, dass ich hier kehre. Eigentlich müsse er hier für Ordnung sorgen und alles saubermachen, hatte er gesagt.“
Seine Frau lachte. „Sachen gibt’s! Verrückt! Ja, es fängt verrückt an, dieses Jahr“, sagte sie und setzte ihre Aufräumarbeiten fort.
Der Mann stimmte in ihr Lachen mit ein. Dann beeilte er sich, mit dem Kehren fertig zu werden, denn der Himmel hing voller Schnee.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl