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Das Eichhörnchen und die Wintermaus
Wie die kleine Maus ins Eichhörnchennest gelangte

„Hallo, Wintermaus! Was machst du denn hier? Solltest du nicht schlafen?“
Erschrocken sah das Eichhörnchen an diesem dämmerigen Winterabend die kleine Maus an. Die saß am Fuße des großen Kastanienbaums und fror so sehr, dass das Rindenstück, unter das sie gekrochen war, mit ihrem Zittern erbebte.
„Ich habe mich verlaufen“, klagte sie. „Nun finde ich die Schlafhöhle nicht mehr.“
„Verlaufen?“, brummte das Eichhörnchen. „Wie konnte das passieren?“
„W-w-weil alles hier so gleich aussieht“, flüsterte die Maus. „Die Bäume und Büsche ähneln einander ohne ihre Blätter so sehr und ich kann den alten Holunderbusch nicht sehen. Dort neben den Eichenwurzel nämlich ist meine Höhle. Gesucht habe ich und gesucht, und nun bin ich müde und mir ist so kalt, dass ich nicht mehr laufen kann.“
„Arme, törichte Maus!“ Das Eichhörnchen sprang dem Ast und setzte sich neben die Maus, um ihr die Wärme seines Fells zu geben. „Du solltest Winterschlaf halten! Sag, was hat dich aus deiner sicheren Schlafhöhle getrieben?“
„Ich … ich wollte mir nur kurz einmal diesen Winter und das weiße Weiß ansehen. Vor der Höhle habe ich es nicht gefunden und so bin ich weit und weiter in den Wald hinein gelaufen. Dann habe ich mich verirrt.“
„Heute ist kein weißer Schneetag und das ist dein Glück. Schnee nämlich tut kleinen Mäusen nicht gut. Diese Kälte aber auch nicht. Hm. Hm. Was machen wir nun?“, fragte das Eichhörnchen.
„Hilfst du mir, den Holunderbusch ohne Blätter zu finden?“, bat die kleine Maus.
„Einverstanden. Morgen, wenn das Licht zurückkommt.“ Das Eichhörnchen nickte. „Und für heute Nacht lade ich dich in mein Nest oben in der Astgabel ein. Dort haben wir es warm.“
„D-dort oben?“ Ängstlich sah die Maus das Eichhörnchen an. „So hoch? A-aber ich kann nicht klettern.“
„Setze dich auf meinen Schwanz und halte dich fest! Gemeinsam schaffen wir das“, sagte das Eichhörnchen.
„Oh! Oh!“ Die kleine Maus zitterte noch mehr. Weil sie sich ängstigte nun. Aber tapfer klammerte sie sich an das Eichhörnchenschwanzfell und schloss die Augen. Und ehe sie sich versah, waren sie auch schon oben in der Baumkrone im warmen, weichen Nest des Eichhörnchens. Was für ein Glück!
„Nun bin ich nicht nur eine Wintermaus“, wisperte die kleine Maus später, als sie nicht mehr zittern musste, dem Eichhörnchen zu. „Nein, ich bin auch eine Glücksmaus. Danke, dass du mir geholfen hast.“
Das Eichhörnchen lächelte. „Danke, dass du mich besuchst. Es ist schön, einmal nicht allein zu sein.“
Sie redeten noch lange miteinander in dieser Nacht, doch das ist eine neue Geschichte.

© Elke Bräunling

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