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Die Farben der Februarfrau

„Was ist das denn? Bunt! Ich sehe Farben im weißen Land.“
Mit Staunen beugte sich die Februarfrau über die bunten Spuren, die überall im Land zu ihrer Ankunft zu sehen waren.
„Kunterbunt diese Punkte im Schnee und die Streifen an den Bäumen hier und da. Sind sie ein Werk der Menschen oder habe ich etwas verpasst?“
„Hihi, das ist doch Konfetti!“, zwitscherte die kleine Blaumeise, die die Februarfrau schon eine Weile beobachtete. „Und Luftschlangen.“
Die erschrak. „Gefährliche Buntschlangen?“, wunderte sie sich. „In meinem Monat sind keine Schlangen unterwegs. Noch nie bin ich ihnen begegnet. Mein Monat ist ein kalter Monat mit viel Weiß.“
„Und mit viel Bunt“, kicherte die kleine Meise. „Weil die Menschen von deinem Weiß und deinem Kalt die Nase voll haben, zaubern sie feines, buntes Bunt herbei. So ist das.“
Die Februarfrau überlegte einen Moment. Dann nickte sie.
„Weißt du, kleine Meise. Die Menschen mögen mich trotz meines weißen Kleides. Sie lieben mich sogar so sehr, dass sie einander am Valentinstag, der auch in meiner Zeit seinen Platz hat, rote Herzen und Rosen und andere schöne Dinge schenken. Rot und weiß, das passt zusammen. Gut sogar. Oder nicht?“
„Warum sollen die Menschen dich auch nicht mögen?“, mischte sich der Rabe, der in der Baumspitze saß, ein. „Du bringst ihnen das Bunt ebenso wie das weiße Weiß und die liebevolle Liebe der Herzen. Und noch eines hast du im Gepäck: Die Hoffnung und die Vorfreude.“
„Genau“, tschilpte die Meise. „Ist das nichts?“
Die Februarfrau lächelte, sie strahlte sogar, so gut gefielen ihr die Worte der beiden.
„Ja“, sagte sie. „Ich bringe ihnen Hoffnung mit. Was gibt es Schöneres?“
Sie griff in Tasche ihres Umhangs, holte eine Puderdose hervor und streute ein paar Prisen feinsten weißen Pulvers in alle vier Richtungen.
„Ich werde sie mit den Düften meiner Zeit, mit meinen Düften, verfeinern. Schnuppert mal!“
Sogleich rieselten feine, zarte Schneesternchen vom Himmel. Sie legten sich über das Bunt der Menschen und schmückten es. Aber sie dufteten auf einmal anders nun. Nach Frühling, irgendwie.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

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