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Der kleine Wintergeist und der Zauberer

Wieder einmal weckte lärmendes Singen und Jubeln vom Tal her den kleinen Wintergeist aus einem kleinen Nickerchen. War er doch tatsächlich wieder einmal über seiner Arbeit, dem Frosten, Schneien und Stürmen, eingeschlafen. Nun wehte vom Tal her ein lauer Wind bis herauf in seine Berghöhle. Und auch der Gesang, der ihn vertreiben sollte, drang immer deutlicher an seine Ohren:
“Wir treiben heut den Winter fort aus diesem Faschingsnarrenort, lalalala, lalala…”
“Ohojeoje”, heulte der kleine Wintergeist auf. “Wenn der Winterkönig dies erfährt, schickt er mich zur Strafe auf den Sommergletscher.”
Er eilte aus seiner Höhle und hob seinen Eiskristall-Zauberstab.
Sogleich stoben Abertausende kleiner Eis- und Schneekristalle aus seinem Zottelpelz und wirbelten, von Frostwinden begleitet, talwärts.
“Winter ist´s und Winter wird´s noch lange bleiben!”, rief er und machte sich höchstpersönlich auf den Weg ins Tal, um dort nach dem Rechten zu sehen. Als er die Stadt erreicht hatte, herrschte dort wieder strenger Winter und dichte Schneeflocken hüllten Häuser und Straßen in ein winterliches Weiß.
Ruhig war es hier nun, wo zuvor eine Schar fröhlich lärmender Clowns, Cowboys, Indianer, Geister, Gespenster, Ritter, Piraten, Hexen und Prinzessinnen durch die Straßen gezogen war.
Der kleine Wintergeist war zufrieden. Hatte er diese kleinen Kerle, die sich jedes Jahr aufs Neue aufmachten, ihn zu vertreiben, in die Flucht geschlagen!
“Dieses Mal bin ich euch Quälgeistern, die ihr euch Faschingsnarren nennt, zuvorgekommen. Hohoho!”
“Hohoho?”, fragte da eine fremde Stimme hinter ihm.
Verdutzt wandte sich der kleine Wintergeist um.
Ein seltsamer Kerl mit einem hohen, spitzen Hut und schwarzem Umhang stand vor ihm. Er trug einen Besen bei sich.
“Hohoho!”, lachte der kleine Wintergeist wieder. “Was bist du denn für ein seltsamer Geist?”
“Ein Zauberer”, antwortete der Fremde.
“Ein Zauberer? Was macht ein Zauberer mit einem Besen, sprich! Willst du etwa meinen Schnee damit wegkehren? Hoho!” Der kleine Wintergeist hielt sich den Bauch vor Lachen.
Da stieg der Fremde, der sich Zauberer nannte, auf seinen Besen, stieg damit in die Höhe und umkreiste ihn in einem fort hin und her und hui und zisch so wild, dass ihm ganz schwindelig wurde.
Der kleine Wintergeist wollte nach seinem Eiskristallsstab greifen, doch der Zauberer war schneller. Er packte ihn am Schopf und trug ihn – abrakadabra – durch die Lüfte aus der Stadt hinaus bis vor seine Höhle. Dort ließ er ihn – plumps – in den Schnee fallen und flog kichernd davon.
Verdutzt starrte der kleine Wintergeist dem Fremdling hinterher.
Was war das nur für ein komischer Vogel gewesen? Ein Gehilfe des Frühlings etwa?
Ja, da hörte er ihn wieder, diesen gemeinen Gesang vom Tal her. Laut und deutlich:
“Wir treiben heut den Winter fort aus diesem Faschingsnarrenort, lalalala, lalala…”
Der kleine Wintergeist seufzte tief. Er war es leid, immer wieder gegen alle Feinde anzukämpfen. Es wurde Zeit, nach Norden zu ziehen. Ja, darüber würde er jetzt nachdenken. Müde trottete er in seine Höhle für ein weiteres Nickerchen. Und dieses Mal schlief er so lange, dass er erst wieder erwachte, als die Faschingszeit längst vorüber und der Frühling schon ins Tal eingezogen war.

© Elke Bräunling

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Kleiner Wintergeist?, Bildquelle © blickpixel/pixabay