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Weihnachten mal anders

„Erfrieren müssen wir jedenfalls nicht!“, sagte Papa und zeigte grinsend auf die bunten Socken, Schals und Mützen, die Oma für uns gestrickt hatte. Ein riesiges Paket war kurz vor Weihnachten bei uns angekommen und für jeden in der Familie war eine von Omas Strickgarnituren, liebevoll verpackt, zum Vorschein gekommen. Die Socken, Schals und Mützen für die Mädels glitzerten sogar und auch die Farben waren wunderschön.
Für uns Männer hatte sie die Farben ihrer jeweiligen Fußballclubfavoriten gewählt, was natürlich auch sehr gut ankam. Jeder von uns verehrte einen anderen Fußballclub, so gab es auch kein Problem mit dem Verwechseln.
„Wie sie das immer schafft, unglaublich“, meinte Mama, die wusste, wie viel Arbeit so ein Paar Stricksocken macht und wir waren immerhin drei Mädels und drei Jungs, die Eltern eingerechnet.
„Vermutlich fängt sie bereits im Sommer damit an!“, sagte Mia, die älteste von uns Kindern. „Na ja, und in diesem Jahr hatte sie ja viel mehr Zeit als sonst:“
„Warum das denn?“, wollte Benni, unser Küken, wissen.
„Wegen Corona!“, antworteten die Zwillinge Merle und Mona wie aus der Pistole geschossen. Alle lachten, irgendwie war die Antwort auf viele Fragen eben „Wegen Corona“. Warum gehen wir nicht ins Weihnachtsmärchen? – Wegen Corona – Warum machen wir keine Silvesterparty? – Wegen Corona – Warum fahren wir zu Weihnachten nicht zu Oma und Opa? Wegen … na, ihr wisst schon.
Wir Kinder hatten sogar befürchtet, dass Weihnachten ausfallen könnte, aber das war nicht der Fall, im Gegenteil. Wir hatten spannende Weihnachten vor uns, das kam so:
Papa meinte, dass wir doch einmal ein ganz anderes Weihnachtsfest feiern sollten, eines, das er immer schon ausprobieren wollte, ein Weihnachtsfest im Wald. Darunter konnten wir uns nun gar nichts vorstellen und Mamas Gesicht nach zu urteilen, war es auch nichts Tolles. Sie jammerte dann auch sofort los, was uns Kinder aber dazu anreizte, uns auf Papas Seite zu stellen.
„Lass Papa doch erst einmal erzählen!“, bat Mia gespannt. „Also, Papa, leg los!“
„Also, ich stelle mir das so vor: wir gehen am Heiligabend zeitig in den Wald, nehmen Punsch mit und Kekse, sowie Kerzen und Baumschmuck mit. Dann suchen wir uns eine schöne Tanne, schmücken sie mit Äpfeln, Strohsternen und Lichtern und dann singen wir Weihnachtslieder und trinken heißen Punsch, naschen von den Keksen und erzählen uns Geschichten. Am schönsten wäre es, wenn es schneite, aber das Wetter können wir uns ja nicht selbst machen. Das müssen wir nehmen wie es kommt!“
Wir Kinder fanden die Idee super und Mama ließ sich ebenfalls überreden.
„Wenn es keinen Schneesturm gibt, dann bin ich dabei!“, versprach sie. „Aber ich habe eine Bedingung!“
„Welche?“, fragte Papa.
„Wir drehen ein Video für die Großeltern, damit sie auch ein wenig dabei sein können!“, bat Mama und das werden wir natürlich machen, ist doch Ehrensache und geht trotz Corona!

© Regina Meier zu Verl

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