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Vegane Weihnachten


Wütend stampfte Carolin mit dem Fuß auf. Hörten die Erwachsenen gar nicht richtig zu, wenn sie etwas sagte?
Scheinbar nicht, denn sie hatte mehr als einmal gesagt, dass sie keine Schokolade mehr essen würde; Schokolade war mit Milch gemacht und Milch war ein tierisches Produkt und tierische Produkte wollte Carolin nicht mehr essen. Basta!
Und jetzt hing wieder ein Adventskalender in ihrem Zimmer, der mit Schokolade gefüllt war. Das war doch blöd – megablöd sogar. Carolin kamen die Tränen.
„Du bist noch zu jung, um solche Entscheidungen zu treffen!“, hatte Mama gesagt, als Carolin verkündet hatte, von jetzt an Veganerin zu sein und Papa hatte zugestimmt. „Finde ich auch!“
„Aber ich möchte einfach kein Fleisch und andere tierische Produkte mehr essen! In meiner Klasse sind viele Schüler, die das auch so machen und in ihren Brotdosen sind trotzdem die leckersten Sachen!“, hatte Carolin versucht zu erklären. Immerhin war sie schon zehn Jahre alt, da war man doch kein dummes Baby mehr.
Mama bemerkte beim Frühstück, dass Carolin geweint hatte. „Was ist denn los? Bist du traurig?“, fragte sie.
„Nein, ich bin nicht traurig!“, hatte Carolin geantwortet und die Müslischale zur Seite geschoben.
„Du musst aber etwas essen, bevor du in die Schule gehst“, sagte Mama und schob die Schale zurück an Carolins Platz.
„Aber hier ist nichts, was ich essen könnte!“, sagte Carolin. „Es gibt keinen Saft für mein Müsli und Milch möchte ich nicht. Und einen Adventskalender mit Schokolade möchte ich auch nicht!“
Mama lief rot an im Gesicht. Carolin zog den Kopf ein und wartete auf ein Donnerwetter. Das blieb aber aus. Mama schämte sich. Das sagte sie jedenfalls.
„Entschuldige, mein Kind, ich habe mich noch nicht daran gewöhnt, aber ich verspreche, dass ich von heute an daran denken werde, dass du nun eine Veganerin bist!“
Sie stand auf und holte eine Flasche Orangensaft aus dem Keller. Dann goss sie ein wenig Saft auf das Müsli und rührte es um. „Probier das mal, müsste schmecken!“
Es schmeckte und da es draußen noch sehr dunkel war und der Nebel sich auch noch nicht aufgelöst hatte, brachte Mama Carolin heute zur Schule.
Als sie mittags heimkam und ihre Schultasche ins Zimmer brachte, war der Schokoadventskalender verschwunden und ein neuer hing an der Wand, 24 kleine bunte Päckchen.
Carolin öffnete das erste Päckchen, in dem sich ein Zettel fand, auf dem stand:
Dezembertürchen 1, veganes Plätzchen backen mit Mama und Oma!
Großartig, so durfte es weitergehen, Carolin war glücklich.

© Regina Meier zu Verl

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