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Weihnachtshelfer – oder: Seltsame Weihnachtsgeister

Auf dem Heimweg von ihrem Besuch bei den Großeltern nehmen Pia und Pit eine Abkürzung, weil es auf der Hauptstraße so weihnachtstrubelig zugeht und weil schon zwei Frauen mit Tüten und Paketen in den Händen Pia so heftig angerempelt haben, dass Pia beinahe vom Bürgersteig auf die Straße gefallen wäre. Da ist, findet Pit, die verbotene Abkürzung immer noch die bessere Lösung. Mama und Papa dürfen davon aber nichts erfahren, denn Mama sagt immer, dunkle Straßen seien gefährlich, ja, und dunkel ist es an diesem Dezembernachmittag kurz vor Weihnachten fast schon um 16 Uhr.
”Lass uns rasch laufen”, sagt Pit. ”Dann merkt keiner etwas.”
Sie kommen in eine enge Gasse. Dunkel ist es hier und fast unheimlich. Die Häuser sehen alt aus, schmutzig und kaputt.
„Hier sieht es aber überhaupt nicht nach Weihnachten aus!“, stellt Pit fest. „Wo sind wir?“
Da tauchen am Ende der Straße zwei Lichter auf. Sie kommen näher. Es sind die Scheinwerfer eines Autos, das wenige Schritte vor ihnen anhält. Eine Frau und ein Mann, die Gesichter unter Kopftuch und Hut verborgen, steigen aus und öffnen den Kofferraum. Dann schleichen sie auf leisen Sohlen in eines dieser hässlichen Häuser. Sie sind über und über beladen mit Tüten, Taschen, Körben, Paketen und Tannenzweigen.
„Was machen die denn da?“, will Pia fragen, dann stutzt sie. Irgendwie kommen ihr die beiden so bekannt vor. Und das Auto! Ist das nicht…?
„Das ist ja unser Auto!“, ruft sie. „Und es sind Mama und Papa, die wie Weihnachtsmänner beladen in dieses Haus gegangen sind.“
Pit fängt an zu stottern. „W-w-was t-t-tun sie hier bloß?“
Er geht zum Auto, und plötzlich erkennt er auch die finstere Straße wieder. Es ist die Untergasse, die hässlichste Straße in der Stadt. Ausländer wohnen hier und Asylbewerber, Menschen, die Pia und Pit nicht so genau kennen und denen es nicht so gut zu gehen scheint.
„Mama und Papa sind ja auch so etwas wie Weihnachtsgeister!“, staunt Pia. „Sie bringen Geschenke in dieses Haus. Wie der Weihnachtsmann.“
„Ja, toll!“, freut sich Pit. „Und wie das Christkind, der Nikolaus, Väterchen Frost und Babuschka, wie Befana, die heiligen drei Könige und, ja, und wie der Weihnachtsmann. Toll!”
Die beiden sehen sich an und beschließen, dieses Geheimnis für sich zu behalten. Die Weihnachtszeit ist ja schließlich voller Geheimnisse.

© Elke Bräunling


Wann fängt Weihnachten an? – Weihnachtslied von Rolf Krenzer (Text) und Paul G. Walter (Musik)